Sonntag, 22. April 2012

Wie versprochen hier eine Leseprobe:



Freie Parkplätze, so bin ich der festen Überzeugung, existieren nur in einem Paralelluniversum. Gerade als ich glaubte, endlich eines dieser raren Exemplare gefunden zu haben, blinkte der Wagen vor mir und parkte mit einer schwungvollen Bewegung ein. Grrr! Ein schneller Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich jetzt nehmen musste, was kam, ich konnte einfach nicht mehr wählerisch sein. Die nächste freie Lücke war zwar im Halteverbot, aber das Risiko musste ich jetzt wohl oder übel in Kauf nehmen. Gesagt, getan, ich parkte ein, schnappte meine Tasche aus dem Auto, schloss ab und lief mit großen Schritten los, genau, als die Glocken der nahen Christophoruskirche acht Uhr schlugen.
„Ganz große Klasse, Laura, ganz prima! Das hast du ja mal wieder toll hinbekommen“, fluchte ich leise vor mich hin, meine Schritte noch einmal beschleunigend.

Und das alles war nur passiert, weil mein Wecker es anscheinend noch nicht mitbekommen hatte, dass die Sommerferien vorbei waren. So hatte er mich am Morgen im Stich gelassen, während ich von Sonnenuntergängen am Meer geträumt hatte. Erst als ich mich wunderte, dass das Rauschen des Meeres eher klang wie der Wagen der städtischen Müllabfuhr, wachte ich auf und war mit einem Schlag hellwach. Ein Blick auf meine Uhr bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Ich hatte verschlafen und war mehr als knapp dran. Bis zum Schulbeginn waren es nur noch dreißig Minuten und alleine um zur Schule zu gelangen, brauchte ich schon zwanzig Minuten. So wurschtelte ich in Rekordzeit meine langen, braunen Haare zu einem wilden Knoten, huschte schnell unter die Dusche und schlüpfte in die erstbesten sauberen Kleider, die mir in meinem Schrank zwischen die Finger gerieten, und nach nicht mal zehn Minuten saß ich bereits im Wagen auf dem Weg zur Schule. Frühstück musste heute leider ausfallen. Vielleicht konnte ich mir in der Pause etwas am Kiosk um die Ecke kaufen und wenn nicht, wenn ich mal auf eine Mahlzeit verzichtete, würde es mich auch nicht umbringen.
Unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln schaffte ich es tatsächlich kurz vor acht an der Schule einzutreffen. Zielsicher steuerte ich auf dem Schulparkplatz auf meinen eigenen Platz zu und konnte gerade noch im letzten Moment bremsen, bevor ich in den Wagen rammte, der auf meinem Parkplatz stand. Und was für ein Schlitten das war! Dieses Cabrio kostete gut und gerne eines meiner Jahresgehälter, wenn nicht noch mehr; aber über den Preis des Fahrzeugs zu rätseln, würde den Parkplatz auch nicht auf magische Art freimachen. Laut fluchend blieb mir nichts anderes übrig, als den Rückwärtsgang einzulegen und in der näheren Umgebung Ausschau nach einem neuen Parkplatz zu halten, da alle anderen selbstverständlich bereits besetzt waren. Dass solche Sachen auch immer mir passieren mussten und natürlich immer dann, wenn man sie wirklich nicht gebrauchen konnte.

Immer eiliger wurden meine Schritte, damit ich nicht noch später kam, als ich es bereits war. Der Unterricht begann zwar an diesem Tag nicht zur ersten Stunde, jedoch bestand für das Kollegium unbedingte Anwesenheitspflicht, da die erste Stunde zugleich auch die erste Konferenz des Schuljahres war. Und da fiel es besonders auf, wenn man nicht pünktlich war, zumal ich mich dunkel daran erinnern konnte, dass mir so etwas Ähnliches bereits im Jahr zuvor passiert war…