Sonntag, 23. September 2012

Zum Start in die Woche, ein kleiner Happen ...

Ich dachte mir, dass ich euch zum Wochenstart mal wieder einen kleinen Auszug aus dem zweiten Teil präsentiere. Es ist auch nur ein winzig kleiner Ausschnitt, aber ich fand ihn recht lustig und wollte ihn mit euch teilen.

Viel Spaß!


Wir waren gerade beim Nachtisch angelangt, da klingelte es an der Tür. Hatte meine Mutter vor eine Party für mich zu schmeißen und die ganze Nachbarschaft eingeladen? Doch auch Mama hatte keine Ahnung, wer da noch zu uns stoßen könnte, stand aber rasch auf, um nachzusehen. Vom Flur drang Stimmengemurmel zu uns, das aber keiner von uns verstand. Als Mama mit glänzenden Augen und den Worten: »Du hast Besuch, Laura«, zurück in die Küche kam, war ich für einen Moment völlig verblüfft und brauchte einen Moment, bis ich mich wieder gesammelt hatte. Phil Berger stand in der Küche meiner Eltern! Wie hatte er mich ausfindig gemacht und vor allen Dingen, was wollte er hier? Er war doch nur mein Kollege und weit davon entfernt mein Lieblingskollege zu sein. Wir waren in den letzten Wochen immer wieder heftig aneinander gerasselt und zwischen uns flogen bei fast jeder Gelegenheit die Fetzen. Und warum bitte hatte ich plötzlich solches Herzklopfen? Er war mein Kollege und ich hatte mir geschworen nichts mehr mit Kollegen anfangen! Außerdem wusste er um seine Attraktivität und setzte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit und Frau ein. Er war ein Hallodri und weit davon entfernt gut für mich zu sein.
   »Was machst du hier?«, fragte ich dementsprechend unhöflich, da mich sein unerwartetes Auftauchen völlig aus dem Konzept brachte.
   »Möchtest du mich nicht erst einmal vorstellen?«, entgegnete er, ohne auf meine Frage einzugehen, ganz so, als sei er ein erwarteter Gast gewesen. Ich besann mich meiner guten Manieren und stellte ihn meiner Familie vor. Die Augen meiner Mutter bekamen einen feuchten Glanz, als sie ihn genauer betrachtete, wahrscheinlich malte sie sich aus, wie unsere Enkelkinder aussehen könnten. Träum weiter, Mama, dachte ich.
   »Nehmen Sie doch Platz, Herr Berger!«, forderte Mama ihn auf, rückte ihm einen Stuhl zurecht, auf dem er sich tatsächlich niederließ. Und als wäre das alles nicht genug, stellte sie ihm noch einen Teller mit Pannacotta vor die Nase und fragte ihn, ob er noch einen Espresso wollte! Wie wäre es denn, wenn sie ihn nicht auch noch fragte, ob er einziehen wollte? Platz genug hatten sie ja.
   »Ich möchte Ihnen aber keine Umstände machen, Frau Simon«, protestierte er zum Schein, schenkte meiner Mutter aber ein strahlendes Lächeln, sodass diese dahinschmolz wie Butter in der Sonne. Er wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste, damit Frau das tat, was er wollte. Dieser Schleimbolzen!
   »Aber Herr Berger, das ist doch kein Umstand. Außerdem lerne ich so selten Lauras Freunde kennen, dass es mir eine richtige Freude ist, Sie hier zu haben!«
   »Mama, Herr Berger ist nur ein Kollege. Ein Kollege, der einen Krankenbesuch macht!«, mischte ich mich in die Unterhaltung ein, bevor sie noch auf die Idee kam, ihm das Du anzubieten. Sie war hin und weg von ihm. Papa und meine Brüder tauschten belustigte Blicke miteinander aus.