Freitag, 10. Mai 2013

Eine andere Sichtweise

Die Leserunde auf Lovelybooks ist im vollen Gange und der Großteil der Leser schien die Geschichte gefallen zu haben. Dass man nicht alle glücklich machen kann und es nicht jedem recht machen kann, ist selbstverständlich. Ich glaube, dass schafft kein einziger Autor und falls ihr doch einen kennt, der 100% seiner Leser hinter sich stehen hat, bitte ich um einen Link zu seinen Werken:-) 

Interessant fand ich, dass Stimmen laut wurden, die meinten, es wäre bestimmt auch sehr interessant gewesen, Phils Blickwinkel kennenzulernen, da er doch ab und an undurchsichtig wirkte. 
Ich bin mir sicher, dass die Teilnehmer der Leserunde allesamt Computerhacker sind und sich auf meinem Laptop vorgenommen haben! Denn wie sonst ist es zu erklären, dass sie wissen, welche Änderungen ich im dritten Teil vorgenommen habe! 





!!!!ACHTUNG SPOILER: BITTE NUR WEITERLESEN, WER DEN ZWEITEN BAND GELESEN HAT!!!   





Wer den zweiten Teil gelesen hat, weiß, dass Laura in der Vergangenheit sitzt. Ich verrate auch vermutlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie nicht innerhalb der nächsten Stunden gerettet wird.
Somit haben wir Laura, die in der Vergangenheit festsitzt, und Phil, der in der Gegenwart ist. Da die Geschichte aber bisher nur aus Lauras Sicht geschrieben ist, weiß der Leser gar nicht, was mit Phil los ist, dabei sind beide die Hauptfiguren. Wie kann ich da nur noch von einer schreiben? Richtig, gar nicht! Darum habe ich beschlossen, dass der dritte Band aus zweierlei Sichten geschrieben ist. Laura bleibt die Ich-Erzählerin und Phils Sichtweise wird in der dritten Person geschildert. Ich bin einfach kein Mann und ich bin mir sicher, dass ich nicht wie einer denke, deshalb habe ich gar nicht den Versuch gestartet zu sehen, wie es sich als Phil in der Ich-Perspektive schreibt. 

Am Anfang habe ich gemerkt, dass es mir richtig schwer fiel einen neuen Blickwinkel hineinzubringen. Zwei Bände lang habe ich die Welt mit Lauras Augen beschrieben und nun war plötzlich alles anders. Doch nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass es Spaß macht, sich in Phil hineinzuversetzen. 

Für diejenigen, die jetzt wissen wollen, wie das aussieht, war ich so frei und habe da mal etwas vorbereitet. Die Szene spielt kurz nach Lauras Verschwinden und ist noch in der ersten Rohfassung. Es kann also sein, dass sie in der Endfassung des Romans etwas anders aussehen könnte. 

Bereit? Hier geht es zum Ausschnitt: 



Philemon Berger, der nichts mehr hasste, als dass man ihn mit diesem Namen ansprach und darauf bestand Phil genannt zu werden, verließ die Herrentoilette des »Oxfords«. Seine, vom Händewaschen, noch leicht feuchten Hände rieb er sich kurz an seiner Hose trocken. In seinem Kopf rasten die Gedanken: Was für eine Geschichte würde sein Onkel ihm an diesem Abend erzählen? Was konnte so schlimm sein, dass er es ihm bisher nicht erzählt hatte und er sogar darum bat, dass Laura diesem Gespräch beiwohnte? Brauchte Richard sie als Unterstützung, damit er nicht aus der Haut fuhr, wie er es leider manchmal tat?

Als er am Tisch des Restaurants ankam, an dem Laura hätte sitzen sollen, stutzte er. Der Tisch war leer, von seiner Freundin keine Spur mehr. Es schien, als sei sie vom Erdboden verschluckt. Nein, das stimmte nicht so ganz; ihre Handtasche hing noch immer über der Lehne des Stuhls. Was ihn allerdings viel mehr beunruhigte als die Tatsache, dass ihre Tasche noch da war, war das Fehlen seines Handys. Er hatte es bei Laura am Tisch gelassen, damit sie bei einem eventuellen Anruf seines Onkels, das Gespräch annehmen konnte. Suchend schaute sich Phil im Lokal um, vielleicht war Laura nur kurz aufgestanden, weil Richard doch noch angerufen hatte und es im Restaurant zu laut gewesen war. Doch im ganzen Raum konnte er seine hochgewachsene Freundin nicht entdecken. Lauras Lockenmähne zu übersehen, grenzte an ein Ding der Unmöglichkeit und vielleicht sollte er vor der Tür nach ihr Ausschau halten. Aber auch vor der Tür des Restaurants war von Laura weit und breit nichts zu sehen. Phil überkam ein ungutes Gefühl, das war nicht richtig. Ganz und gar nicht richtig. Hastig eilte er zurück in den Gastraum. An seinem Tisch war ein Kellner gerade damit beschäftigt, Lauras und seine  bestellten Getränke abzustellen.

   »Entschuldigung haben Sie eventuell gesehen, wo die Dame hin ist, die hier eben noch saß?«, fragte Phil den Kellner. Der Angesprochene runzelte die Stirn und überlegte kurz, dann schüttelte er bedauernd den Kopf.

   »Nein, tut mir leid, habe ich nicht mitbekommen, aber weit kann sie ja nicht sein, immerhin hat sie ihre Tasche hiergelassen«, erwiderte er und wies mit der Hand auf Lauras Handtasche.

   »Ja, vermutlich ist sie einfach nur mal wohin gegangen«, versuchte Phil so gelassen, wie es ihm nur möglich war zu antworten. Dabei tobte in seinem Innern ein Sturm. Die ganze Geschichte gefiel ihm nicht und es passte nicht zu Laura, dass sie ohne Vorwarnung verschwand. Sie mochte manchmal impulsiv sein und gegebenenfalls überreagieren, aber meistens nur dann, wenn sie eine Auseinandersetzung mit ihm gehabt hatte, was jedoch nicht der Fall gewesen war, ganz im Gegenteil. Seit Laura ihr Gedächtnis wiedererlangt hatte, war ihre Beziehung noch vertrauter und enger geworden. Es gab keinen vernünftigen Grund für ihr Verschwinden.

In diesem Moment betrat sein Onkel das Restaurant und aufgeregt winkte Phil ihn zu sich.

   »Entschuldige Phil, die Sitzung des Aufsichtsrats hat etwas länger gedauert ...«, begann Richard Lermin entschuldigend.

   »Laura ist weg und mit ihr mein Handy«, fiel Phil ihm ungeduldig ins Wort.


So und jetzt dürft ihr grübeln, wie es weitergehen wird:-)