Mittwoch, 19. Juni 2013

Warum wundert es mich nicht?

Erinnert ihr euch daran, wie es war, als die ersten Folgen von "Einsatz in 4 Wänden" auf RTL ausgestrahlt wurden? Ich habe die Sendung nur durch Zufall gesehen, da sie im Vormittagsprogramm lief. Ein Zeitpunkt an dem ich normalerweise nicht zu Hause bin, ich hatte vermutlich Urlaub, denn ich erinnere mich daran, wie ich nur kurz darauf durch IKEA lief und meinem damaligen Freund, jetzt mein Mann, von der Sendung erzählte.

Das Konzept einen nicht so tollen Raum mit einfachen und nicht besonders aufwändigen Mitteln komplett umzugestalten, begeisterte mich.  Als die Sendung dann ins Vorabendprogramm umzog, hatte ich sogar eher die Gelegenheit mir die Folgen anzusehen. Einige der Tipps und Tricks, die in der Sendung gezeigt wurden, haben mir bei späteren Renovierungen wirklich geholfen.

Auch die ersten Sendungen, die im Abendprogramm liefen, habe ich mir noch regelmäßig angesehen. Damals wurden noch Häuser von relativ normalen Menschen umgestaltet, auch wenn ich mich persönlich gefragt habe, ob ich in einem Haus wohnen möchte, in dem alle Möbel aus dem schwedischen Möbelhaus sind. Manche Sachen von dort sind wirklich klasse, aber alles? Nicht wirklich, aber wenn man das alles geschenkt bekommt, würde ich mich nicht beschweren.

Aber dann ging es mit einem Mal rapide bergab. Ich weiß nicht, ob sich irgendwelche Programmmacher bei RTL überlegt haben, dass das alles nicht krass genug ist, um die Zuschauer vor die Glotze zu locken. Jedenfalls begann es damit, dass nur noch Häuser von Menschen umgebaut wurden, denen etwas Schreckliches widerfahren war. Im Grunde genommen nicht verkehrt, aber ich möchte mich einfach nicht am Leid anderer Menschen ergötzen und mir selbst immer wieder sagen, wie gut es mir geht. Ich möchte auch nicht dabei sein, wenn die Menschen, die bestimmt einiges durchgemacht haben vor laufender Kamera in Tränen ausbrechen. Es war mit einem Mal das gleiche wie bei DSDS, es gab nur noch Kandidaten, die eine "Geschichte" zu erzählen hatten. Normale Menschen, wie du und ich, kamen gar nicht erst weiter.

Doch das Ende der Fahnenstange war noch nicht erreicht, denn anscheinend gab es nicht mehr genug Menschen, die Schlimmes durchgemacht hatten, deren Häuser renovierungsbedürftig waren. Oh nein, jetzt mussten es Häuser von Messies sein. Ich habe einmal in einer dieser Sendungen reingeschaltet und musste vor Ekel wegschalten. Alleine der Anblick dieses Mülls brachte mich fast zum Würgen, wie müssen sich die Leute vor Ort gefühlt haben.

Ich hatte schon lange aufgehört die Sendung zu sehen, die Beschreibung im Fernsehprogramm war Grund genug nicht einzuschalten. So hatte ich nur am Rande mitbekommen, dass die Sendung wohl wieder lief.

Vermutlich war ich nicht die Einzige, die nicht mehr eingeschaltet hat und so musste ich am Samstag in der Zeitung lesen, dass die Sendung wegen zu geringer Quote vorzeitig eingestellt wurde. Klar war irgendwann einmal das Konzept aufgebraucht, aber hätte man nicht aufhören sollen als es am schönsten war? Musste man immer weiter machen und sensationsgieriger werden?  Darum überraschte mich diese kleine Nachricht nicht mehr und traurig war ich deswegen auch nicht. Ich muss zugeben, dass ich mit diesen ganzen Skripted Reality Shows nichts anfangen kann, dafür ich mir meine Zet zu schade.

Ob Tine Wittler das Ende weh tut? Wenn ich darüber nachdenke, was sie in den letzten Staffeln alles durchmachen musste, kann ich es mir nicht vorstellen. Ich habe einige ihrer Bücher gelesen und mochte ihren Schreibstil und auch in Interviews habe ich sie als kluge und interessante Frau erlebt. Ich wünsche mir für sie, dass sie eine neue Sendung bekommt, die die Leute wieder unterhält und das nicht auf Kosten anderer.


Sonntag, 9. Juni 2013

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen

Und darum herrschte hier in den letzten Wochen wieder einmal Funkstille. Ich war im Urlaub und habe meinen Laptop guten Gewissens zu Hause gelassen und hatte nur ein Tablet dabei. So praktisch diese Teile auch sein mögen, darauf schreiben, ist ein Krampf. Ich hatte mir extra eine Bluetooth-Tastatur gekauft, damit ich E-Mails oder ähnliches schnell beantworten kann. Als ich sie mir gekauft habe, war sie wirklich einwandfrei. Ich konnte gut drauf tippen und es gab nichts zu bemängeln.

Da ich jedoch zu Hause selten die Tastatur benötige, habe ich sie in den letzten Wochen auch nicht mehr benutzt. Hätte ich das vor Beginn des Urlaubs doch mal getan! Denn kaum kam die erste E-Mail aus der Heimat, musste ich feststellen, dass so unwichtige Buchstaben, wie a, s und d nicht mehr funktionierten! Grummelnd habe ich die Tastatur abgeschaltet und mit der Touchtastatur geschrieben. Um schnell mal ein oder zwei Sätze zu schreiben ist das auch durchaus kein Problem, aber längere Texte sind ein Ding der Unmöglichkeit. Ich schreibe blind, in Ermangelung der realen Tasten muss ich doch immer wieder auf das Tablet schauen und ich habe den Eindruck das Schreiben eines Textes dauert gleich dreimal so lange. Aber da ich im Urlaub war, gab es eigentlich gar nicht so viel Korrespondenz, die beantwortet werden musste und ich konnte die Zeit genießen.

Wir hatten definitv besseres Wetter als die armen Menschen hier, die jetzt auch leider noch in einigen Gebieten mit dem Hochwasser zu kämpfen haben. Es gab zwar auch Tage, an denen ich dachte, dass das nichts mehr mit Urlaub und Wohlfühlen zu tun hat, aber das ging auch vorbei. Oder wie sonst soll man 2° C  und Sturm bezeichnen? Nun weiß ich auch, warum Chicago "The Windy City" genannt wird. Selten habe ich eine Stadt erlebt, in der es so kalt und stürmisch war, wie dort. Ich kam mir während meines Aufenthalts dort vor, wie im Winter. Doch trotz der Kälte haben wir uns nicht einschüchtern lassen und haben die Stadt erkundet. Schon vor unserer Abreise haben uns immer wieder Menschen in unserem Bekanntenkreis erzählt, was für eine tolle Stadt Chicago sei. Ich finde, sie haben nicht übertrieben. In der Regel sind viele amerikanische Großstädte austauschbar, doch die Architektur und die Lage am See machen die Stadt doch zu etwas Besonderem. Ich bereue es auf keinen Fall dort gewesen zu sein und sollte sich die Gelegenheit bieten, würde ich bestimmt noch einmal hinreisen.

Wo waren wir noch? Unsere Reise begann in Toronto und somit mein erster Aufenthalt in Kanada, der Abstecher an die Niagarafälle im letzten Jahr zählt nicht als Kanadaaufenthalt. Ich würde sagen, es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich dort war. Mir gefiel es wirklich gut dort und es gibt einige gewisse Ecken, die ich gerne mal sehen würde. Während ich Chicago toll fand, hatte Toronto es ein wenig schwerer bei mir. Die Stadt an sich ist nicht verkehrt, was mir aber einfach nur auf die Nerven ging, waren die unzähligen Baustellen, die sich durch die ganze Innenstadt zogen und für ein Verkehrschaos nach dem anderen sorgten. Es dauerte einfach unglaublich lange, um von A nach B zu gelangen. Auf einer Besichtigungstour, die wir unternommen haben, sagte einer der Guides, dass es in Toronto nur zwei Jahreszeiten gäbe: Winter and Construction. Das unterschreibe ich sofort! Doch trotz allem hatten wir unseren Spaß in der Stadt und wir haben eine Menge gesehen und wenn es auch nur eine Stunde lang die gleiche Kreuzung war, weil wir auf unseren Hop-on, hop-off Bus gewartet haben ...

Ein besonderes Highlight auf unserer Tour waren Pointe Pelee und Pelee Island. Dort haben wir in dem fantastischsten Bed and Breakfast übernachtet, das man sich vorstellen kann. Unser Zimmer war mit Himmelbett und Kamin ausgestatt, fast habe ich es etwas bereut, dass es knapp 30° C waren. Aber es war kein Beinbruch und wir haben die Abende auf unserer eigenen Privatterrasse verbracht. Das B&B liegt in der Nähe des Vogelschutzgebiets und wir saßen voller Begeisterung draußen und beobachteten die uns zum Teil unbekannten Vögel.

Aber der absolute Knaller dort war das Frühstück! Der Inhaber ist gebürtiger Franzose und legt besonderen Wert auf das Frühstück. So erwartete uns jeden Morgen ein Drei-Gänge-Menü, das köstlicher nicht sein konnte. Er servierte uns frisch gepressen Orangensaft, dazu einen Obstsalat aus Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren. Als Hauptgang gab es eine Art Eiersoufflee mit Zucchini, dazu Spinat und gekochtem Schinken. Ja, wir reden immer noch vom Frühstück. Zum Nachtisch bekamen wir einen Rharbarberkuchen serviert, der so lecker war, dass ich, die ich keinen Rharbarber mag, gerne noch ein Stück davon gehabt hätte. Sollte es mich noch einmal in diese Ecke verschlagen, würde ich jederzeit wieder meine Zelte in Mettawas End aufschlagen, alleine des Frühstücks wegen.

Was ist sonst noch so geschehen? Wir wurden hautnah Zeuge eines Heiratsantrags:-)
Es war so niedlich und der arme Junge war soooo aufgeregt. Wir waren an der südlichsten Landspitze Kanadas und waren gerade an der Spitze, die in den Lake Erie ragt, angekommen, als ein junger Mann zu meinem Mann kam und ihn bat ein Foto von ihm und seiner Freundin zu machen. Klar sagt man da nicht nein und kaum hatte mein Mann die Kamera in der Hand, griff der zukünftige Bräutigam in seine Hosentasche und fiel vor seiner Freundin auf die Knie. Sie war total gerührt, fing an zu weinen und sagte selbstverständlich ja. Ich hoffe nur für die beiden, dass die Fotos, die mein Mann gemacht hat, etwas geworden sind, denn es ging alles so schnell, dass er kaum Zeit zum reagieren hatte.


In Cleveland wollten wir eine ganze Menge machen, doch irgendwie mag uns die Stadt nicht. Eine Stadtführung fiel einmal wegen eines Feiertags aus und beim zweiten Mal war der Trolley kaputt. Ich war nun zum zweiten Mal in Cleveland und es gibt fast keine Stadt in den USA, von der ich so wenig gesehen habe, wie von dieser Stadt. Dabei waren wir über eine Woche dort und haben Freunde besucht. Selbst der Versuch ein Baseballspiel der Cleveland Indians zu sehen, fiel sprichwörtlich ins Wasser. Nachdem das Spiel nach weit über einer Stunde wegen Regens nicht anfangen konnte, sind wir wieder nach Hause gefahren, um dort zu erfahren, dass das Spiel doch noch gestartet wurde. Wir waren aber garantiert nicht traurig deswegen, denn das Spiel wurde immer wieder wegen Regens unterbrochen und endete erst in der Nacht um drei Uhr morgens!

Wie schon etwas weiter oben erwähnt, waren wir letztes Jahr an den Niagarafällen, damals haben wir uns die kanadische Seite angesehen, somit war dieses Jahr die amerikanische Seite an der Reihe. Ich muss sagen, dass mir die amerikanische Seite besser gefällt. Vielleicht ist es uns letztes Jahr nicht aufgefallen, aber ich hatte den Eindruck, dass man auf der amerikanischen Seite wesentlich länger an den Wasserfällen und dem Fluss entlanglaufen konnte, als auf der kanadischen Seite. Der absolute Oberknaller war jedoch unser Besuch im Cave of the Winds. In spezielle Sandalen und schicken gelben Plastikponchos eingekleidet, kann man mitten in die Bridal Veils Falls laufen und sich unter den Wasserfall stellen. Dieses Getose und die Kraft, die das Wasser hat, ist einfach unvorstellbar und es war sagenhaft. Wir waren danach zwar ziemlich nass und leider konnte man kaum Fotos machen, da die Geräte innerhalb kürzester Zeit einen Wasserschaden erlitten hätten, aber es war einfach grandios und ein absolutes Highlight dieser Reise.

Selbstversändllich war das nicht alles, was wir im Urlaub erlebt haben und ich könnte noch stundenlang über diesen schönen Urlaub berichten, aber ich glaube, dass es genug ist.

Abschließen kann ich sagen, dass es ein schöner Urlaub war, aber wir waren nun das dritte Jahr in Folge in den USA, ich glaube nächstes Mal muss die Reise woanders hingehen. Ich mag das Land wirklich, aber auf Dauer wird es mir zu langweilig. Es gibt immer und überall die gleichen Restaurants, das gleich Essen, egal in welchem Staat man sich aufhält. Sicherlich gibt es einige regionale Besonderheiten, aber ich glaube, es wird einige Zeit verstreichen, bis wir wieder dorthin fliegen. Es gibt so viele andere Orte auf der Welt, die es zu entdecken gilt, dass ich mich nicht nur auf diesen einen Kontinent beschränken will. Alleine in Europa gibt es so viel zu sehen, dass ich mich bestimmt so schnell nicht langweile.

 Nun sind wir wieder zu Hause und der Alltag hat uns wieder. Das heißt auch, dass ich mich wieder regelmäßiger hier zu Wort melde und fleißig am dritten Teil weiterarbeite, versprochen. Auch wenn mir eine Idee im Kopf schwebt, die vermutlich auch zu Papier gebracht wird, aber davon ein anderes Mal, für heute habe ich genug geschrieben.

Einen schönen Sonntag noch!