Mittwoch, 24. Juli 2013

Weil das Wetter so schön ist ...

... dachte ich mir, dass es an mal wieder an der Zeit für einen kleinen Teaser ist. Ich habe einige Zeit nichts mehr von mir in dieser Richtung hören lassen und nur damit ihr mir glaubt, dass es einen dritten Band gibt. Derzeit bin ich beruflich ziemlich eingespannt und die Zeit zum Schreiben ist leider knapper als ich es mir wünsche. Doch es geht vorwärts und die Geschichte ist in vollem Gange. Demnächst sollte ich wieder etwas mehr Freizeit haben und dann werde ich mich wieder voll in die Arbeit am Buch reinknien. Versprochen!

Und jetzt viel Spaß beim kurzen Ausschnitt:

Unterm Dach staute sich die Sommerhitze. Es war extrem stickig und heiß und ich fächelte mir mit der Hand Luft zu, was aber außer einem weiteren heißen Luftschwall nichts brachte. Die junge Wirtin öffnete eine der vier Türen und mit einer übertriebenen Geste ihres Arms, forderte sie mich auf einzutreten. Ich folgte der Aufforderung und schluckte kurz. Der Raum war fast dazu gedacht Klaustrophie zu bekommen und hatte eher die Größe einer Schuhschachtel als die eines Hotelzimmers. Einer eingedrückten Schachtel, um genauer zu sein. Die Dachschräge trug ihr Übriges dazu bei, den Raum noch kleiner wirken zu lassen, als er es ohnehin schon war. Ich inspizierte den Raum kurz. Die längliche Seite des Zimmers wurde von einem äußerst schmalen Bett mit klumpigem Bettzeug eingenommen. Das Kopfende des Betts grenzte an die Dachschräge an und ich war mir sicher, dass man sich den Kopf  heftig daran stieß, wenn man nicht aufpasste. Ans Fußende des Betts grenzte eine wackelige Kommode an, die sicherlich zu Zeiten Gutenbergs modern gewesen war, nun aber nur noch von Holzwürmern zusammengehalten wurde. Auf der Kommode stand ein angeschlagener Steingutkrug, daneben eine Schüssel, die auch schon mal bessere Zeiten gesehen hatte. Ein winziger Verschlag sollte wohl als Fenster dienen, der aber mit einer einfachen Plane zugedeckt war, sodass man nicht hinaussehen konnte. Eine Toilette würde ich in diesem Zimmer nicht finden, sie waren zu dieser Zeit noch nicht besonders weit verbreitet und sollte es sie bereits in Hotels gegeben haben, gehörte dieses Etablissement bestimmt nicht zu denjenigen, die einen solchen Luxus anboten. Wenn ich Glück hatte, würde ich unter dem Bett einen entsprechenden Topf finden, damit ich nachts nicht rausmusste. Aber es konnte genauso gut sein, dass ich auch des Nachts die Stufen nach unten steigen musste, um mein Geschäft am stillen Örtchen im Hof zu erledigen.

   »Was soll es kosten?«, fragte ich und hoffte, dass sie mir einen einigermaßen akzeptablen Preis nennen würde. Der Betrag ließ mich schlucken und ich protestierte aufs Heftigste, dass sie für dieses Kabuff dermaßen viel verlangte. Wir diskutierten eine Weile, bis wir uns auf  einen Zimmerpreis einigten , der für mich gerade noch annehmbar war und mich nicht gleich bis aufs Hemd beraubte. Ich beglich die Rechnung für die erste Nacht bei der Wirtin und sie verließ das Zimmer und ich war wieder alleine.

Selbst ohne mich zu bewegen, rann mir der Schweiß in Strömen vom Gesicht. Ich trat an den Verschlag und löste die Plane. Ich hatte die irrwitzige Idee, dass ich dadurch etwas Luft hineinlassen konnte. Kaum hatte ich das »Fenster« geöffnet, erkannte ich meinen Irrtum. Kein Windchen regte sich und die Luft schien zu stehen. Und statt eines grandiosen Ausblicks auf den nahen Dom starrte ich auf eine Hauswand, die nur eine Armlänge entfernt war. Soviel zum Panoramablick. Seufzend ließ ich mich auf dem Bett nieder und starrte niedergeschlagen durchs Fenster auf die gegenüberliegende Hauswand.

P.S. Das ist die uneditierte Version, Fehler etc. werden im Korrektorat beseitigt.

Samstag, 20. Juli 2013

Sommerferien Teil 2 oder Summer in the City

Das Hoch, das unser Wetter derzeit bestimmt ist ziemlich ausdauernd und willensstark. Ich kann mich nur an wenige Jahre erinnern, in denen das Wetter im Sommer so lange so gut und angenehm war. Nachts kann man gut schlafen und tagsüber ist die Temperatur derart angenehm, dass man immer noch Lust hat etwas zu unternehmen. Müsste ich nicht arbeiten gehen und hätte Urlaub wäre das ganze ein wahrer Traum. Aber ich will mich nicht beklagen, ich hatte schon Urlaub und es war ein richtig schöner. Außerdem habe ich ja noch ein paar Tage übrig :-)

Wie schon beim letzten Mal versprochen, wollte ich in meinem nächsten Blogeintrag über die Sommerferien berichten, in denen meine Eltern nicht in Urlaub gefahren sind. Ich war elf, fast zwölf als meine Mutter beschloss, dass es wieder an der Zeit sei arbeiten zu gehen und sie lange genug zu Hause geblieben war. Wie das mit neuen Arbeitsstellen so ist, gab es auch dort eine Probezeit und die fiel nun mal in die Sommerferien. Wir fuhren also nicht weg und es war tatsächlich der einzige Sommer, den ich komplett zu Hause verbracht habe. Was also macht man, wenn man die ganze Zeit zu Hause ist?

Ich weiß nicht, ob es das auch in anderen Städten gibt, aber bei uns gab und gibt es die Ferienkarte. Damals kostete sie 25 Mark und sie war die Eintrittskarte zu vielem. Man konnte damit die gesamte Ferienzeit über die Stadtbusse nutzen, hatte freien Eintritt in alle Schwimmbäder der Stadt und für eine Mark Eintritt konnte man ins Kino gehen. Es waren zwar immer etwas ältere Filme und die Vorstellungen fanden morgens um zehn und zwölf statt, aber bei diesen Preisen konnte man nicht meckern. Es gab auch noch diverse Kurse, wie Töpfern oder Ähnliches sowie Tagesausflüge in nahe gelegene Freizeitparksparks. Für diese Kurse musste man sich jedoch anmelden und die waren in der Regel ziemlich schnell ausgebucht. Aber das war sowieso nicht so schlimm, denn uns reichte es, dass wir schwimmen und ins Kino gehen konnten. So verbrachte ich also meine Sommerferien zusammen mit den Klassenkameradinnen, die auch nicht weg waren.

Das war 1986 und es gab noch keine PCs im Haus. Von Internet, Handy oder Spielkonsolen war noch lange keine Rede! Trotzdem war es eine schöne Zeit und langweilig war es auch nie. Ich sehne diese Zeit nicht wirklich zurück, erinnere mich aber gerne daran. Wenn ich daran zurück denke, bin ich immer wieder überrascht, wie schnell sich das alles in den letzten Jahren gewandelt hat. Damals hätte ich bestimmt nicht geglaubt, dass ich einmal mit meinem Computer auf meiner Terrasse sitze und dabei Musik aus einem tragbaren Telefon höre.

Damit ich jedoch nicht komplett alleine war, nahm mein Vater sich auch ein paar Wochen Urlaub und unternahm einiges mit mir zusammen. Jetzt kommt die Frage, was glaubt ihr, wünscht sich eine Elfjährige dann zu machen? Ausflüge auf einen Ponyhof? Einkaufen gehen? Weit gefehlt! Ich wünschte mir jedes Museum der Stadt zu besuchen. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Geschichte in der Schule als Unterrichtsfach hatte, war ich schon sehr an der Vergangenheit interessiert. Vielleicht kommt es dadurch, dass ich aus einer Stadt komme, in der man immer etwas aus alten Zeiten findet, sobald irgendwo gebaut wird. Ich glaube, ich war sechs oder sieben, da wurden beim Bau eines Hotels Schiffe aus der Römerzeit gefunden. Meine Großeltern lebten nur einen Katzensprung davon entfernt und so kam es häufiger vor, dass wir uns die Ausgrabungsstellen ansahen. Geschichte ist etwas, das in Mainz allgegenwärtig ist und ich wollte in diesem Sommer mehr über meine Heimatstadt erfahren.
So zogen mein Vater und ich also los: Ins Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Landesmuseum, dem Dommuseum und natürlich auch ins Gutenberg-Museum. Das Museum zu Ehren des größten Sohnes, den die Stadt bisher hervorgebracht hat. Mein Vater war mitten in Mainz aufgewachsen und hatte als Kind noch in den Trümmern der völlig zerstörten Stadt gespielt. Er kannte die Stadt, wie seine Westentasche und zeigte mir die historischen Gebäude, die den Krieg unbeschadet überstanden haben und ihre Geschichte dazu. Es war der Sommer, in dem ich meine Stadt kennenlernte und noch heute denke ich gerne an diesen Sommer zurück. Für mich war es nicht langweilig, die ganzen Kirchen oder Museen zu besichtigen. Ich fand es aufregend und spannend, mit meinem Vater an der Seite hatte ich den besten Stadtführer an meiner Seite den man sich wünschen konnte.

Es war immer der Wunsch meines Vaters ein Buch zu schreiben. Er war Pressesprecher der Polizei und im Fastnachtsverein aktiv, das Schreiben und das Spielen mit Worten lag ihm also. Leider musste er viel zu früh von uns gehen, sodass er nicht mehr dazu kam seinen Traum in Angriff zu nehmen. Ich glaube, dass er auf seiner Wolke sitzt und stolz darauf ist, dass seine Tochter Bücher schreibt. Er war ein großer Fan von Science-Fiction Romanen und Zeitreisegeschichten hatten es ihm genauso angetan wie mir. Wir haben oft über das Großvaterparadoxon gesprochen und was bei Zeitreisen möglich ist und was nicht. Ich bin mir sicher, der dritte Teil von "Einsatzort Vergangenheit" hätte ihn besonders gut gefallen. Nicht nur, dass es wieder Zeitreisen gibt, nein dieser Teil spielt auch noch in seiner Stadt. Darum werde ich auch diesen Band meinem Vater und der Erinnerungen an den Sommer 1986 widmen.

Es war der einzige Sommer zu Hause und obwohl er so anders war, mitunter der schönste Urlaub meiner Kindheit.

Euch allen noch ein schönes Wochenende mit viel Sonnenschein!


Sonntag, 14. Juli 2013

Sommerferien Teil 1

Wir haben Sommerferien! Im Grunde genommen interessieren mich die Ferien nicht, da ich keine Kinder habe und somit herzlich wenig damit zu tun habe. Das einzige, was ich davon habe, ist die Tatsache, dass die Autobahn ein bisschen weniger voll ist als sonst. 

Doch man kommt nicht um die Ferien herum, im Radio, in der Zeitung und so weiter reden sie alle davon. Ich freue mich übrigens für diejenigen, die jetzt frei haben und dieses super tolle Wetter genießen können. Ich erinnere mich an Ferien, die total verregnet waren und somit überhaupt keinen Spaß machten. 

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, irgendwie musste ich im Zuge des ganzen Geredes davon denken, wie meine Sommerferien in der Kindheit verlaufen sind. Ich bin im Weltmeisterjahr 74 geboren und die größte Befürchtung, die mein Vater hatte, war die, dass ich während des Finales zur Welt komme. Da meine Mutter bei solchen Sportereignissen mit Leib und Seele dabei ist, war das noch nicht mal so abwegig, auch wenn ich damit zwei Monate zu früh auf die Welt gekommen bin. Doch braves Kind, das ich nun einmal war, (hüstel) habe ich still gehalten und bin zum verabredeten Zeitpunkt auf die Welt gekommen. Somit kann ich leider nicht über meine ersten Sommerferien berichten, die sicherlich spannend waren, aber ich nun mal bis September ausgehalten. 

In meiner Kindheit und Jugend gab es eigentlich nur ein Jahr, an das ich mich erinnern kann, in dem wir nicht in die Sommerferien gefahren sind. Ansonsten wurde Jahr für Jahr das Auto gepackt und wir sind gen Süden gefahren. Meine Eltern hatten eine Vorliebe für Spanien und die zwei Jahre, die wir in die Dolomiten gefahren sind, sehe ich mal als Ausrutscher an. 

Sind wir früher immer in verschiedene Orte gefahren, so änderte sich das ab Sommer 82. Wir fuhren das erste Mal in ein kleines Örtchen in Spanien. An die Costa del Azahar, was Küste der Orangenblüte bedeutet und relativ genau bezeichnet, was es dort gibt. Nämlich Orangenhaine noch und nöcher. Wir fuhren aber nicht in die berühmten Touristenhochburgen Benicàssim oder Peñíscola. Nein, wir fuhren in den kleinen Ort Almazora. Ich glaube nicht, dass besonders viele Menschen diesen Ort kennen, denn er ist touristisch gesehen relativ uninteressant und nur wenige Deutsche verirrten sich damals in diese Gegend. Bis heute gibt es noch nicht mal einen Artikel in Wikipedia dazu! Wie gesagt, es handelte sich um einen kleinen Ort, in dem hauptsächlich Familien aus Valencia ihren Feriensitz hatten. Unsere Ferienwohnung lag in einer Straße, in der ein in Deutschland lebender Spanier ein paar Wohnungen besaß und diese an Deutsche vermietete. Alles andere war fest in spanischer Hand. Da es meinen Eltern und meiner Schwester und mir dort so gut gefallen hatte, fuhren wir im nächsten Jahr wieder hin, und im übernächsten Jahr auch und im überübernächsten Jahr ... 

Aber was waren das für Urlaube! Dreht mal ein wenig die Zeit zurück und versucht euch daran zu erinnern, wie es war als ihr in eurer Kinderzeit in Urlaub gefahren seid. Heute packen wir meist unsere Koffer, gehen zum Flughafen und fliegen an unseren Urlaubsort. Auch wenn wir in eine Ferienwohnung fahren, nehmen wir meistens nur Kleider mit. Vielleicht ein paar Messer, da die meisten Ferienwohnungen nicht über gescheite Küchenmesser verfügen, aber wir reisen nicht so, wie meine Eltern es damals getan hatten. 

Unser guter, alter Opel Rekord wurde bis unters Dach vollgepackt. Nicht nur mit Kleidern, Badesachen, Handtüchern, Sonnencreme und Büchern. Nein, in alle möglichen Ecken wurden Dosenmilch, deutscher Kaffee und sonstiger Vorrat für die nächsten Wochen  eingepackt. Meine Eltern waren nicht sehr experimentierfreudig und wollten keinen landestypischen Kaffee trinken. Und warum sie unbedingt Dosenmilch mitnehmen mussten, ist mir ein Rätsel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es diese auch in Spanien gab. 
Nach unserem ersten Urlaub dort, stellten meine Eltern übrigens fest, dass der Tisch auf unserer Terrasse eine Katastrophe war und ab diesem Jahr nahmen wir übrigens auch noch unseren Campingtisch und eigenen Sonnenschirm mit! Von Luftmatratzen und Liegen ganz zu schweigen. Wenn dann das Auto vollgepackt war, ging es nachmittags gegen fünf Uhr los. Es war die Zeit, in der Autos noch keine Klimaanlage hatten und meine Eltern wollten nicht mit zwei quengelnden Kindern durch die Hitze fahren. Die erste Pause,  die wir stets kurz hinter der französischen Grenze machten, war schon das erste Highlight unserer Reise. Dann packte meine Mutter ein Picknick aus, das sich sehen lassen konnte. Es gab gebratene Hähnchenschenkel, gekochte Eier, saure Gurken, Tomaten und und und. Sicherlich gab es diese Dinge auch sonst bei uns, aber ich bilde mir ein, dass sie nie besser schmeckten als auf unseren Pausen an den Rastplätzen.  Ich liebte diese Fahrten alleine schon wegen des Abendessens. 

Ich habe viel Ähnlichkeit mit meinem Vater und in manchen Dingen, bin ich genauso wie er. Aber ob ich, wie er einen Plan mit unserer Route gemacht hätte, auf der die einzelnen Fahrzeiten vom Vorjahr und die Péagestationen (mit Angaben in Franc!) verzeichnet sind, wage ich zu bezweifeln. So saß meine Mutter also neben meinem Vater und musste immer die einzelnen Zeiten eintragen und hatte in ihrem Extra-Portemonnaie das abgezählte Geld für die Mautstationen. (Ein bisschen Reserve war drin, es konnte ja durchaus sein, dass die Gebühren erhöht worden waren.) Während wir also schliefen, fuhren meine Eltern durch die Nacht. Zwischendrin machten wir Pausen, in denen mein Vater auch mal ein oder zwei Stunden schlief, um dann erholt weiter zu düsen. Für unseren ersten Halt in Spanien suchten sich meine Eltern immer eine besonders schöne Stelle aus. Meistens konnte man von dort aus  in weiter Ferne das Meer sehen . Die Vorfreude wurde immer größer! Unterwegs spielten wir dann das Spiel, dass vermutlich jedes Kind, das zu dieser Zeit in Spanien Urlaub machte, mit seinen Eltern gespielt hat: Wir zählten die Osborne-Stiere. (Wer nicht weiß, was das ist, kann hier nachschauen: http://de.wikipedia.org/wiki/Osborne-Stier

Wenn dann die ersten Orangenbäume kamen, wussten wir, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Durch ein weit verzweigtes Labyrinth, ohne besonders gut kenntlich gemachte Straßennamen, fuhren wir durch die Haine und immer dann, wenn ich glaubte, dass wir uns doch verfahren hatten, öffnete sich die Straße und gab den Blick auf das in der Morgensonne glitzernde Mittelmeer frei. Diesen sensationellen Blick durfte ich dann für die nächsten Wochen Tag für Tag genießen, denn unsere Wohnung lag im ersten Stock und vor unserem Haus gab es nur den Pool, der zu den Ferienwohnungen gehörte, die Straße, die am Meer entlangführte und das Meer! Vermutlich ist es diese Zeit aus meiner Kindheit, die mich noch heute fast immer Urlaub am Wasser machen lässt. Berge reizen mich nicht besonders, aber Wasser und insbesondere das Meer lassen meine Augen aufleuchten. 

Sobald wir angekommen waren, mussten wir Kinder natürlich sofort in den Pool und von da ab, waren unsere Eltern abgemeldet. Denn in diesem Ort machten eigentlich immer nur Eltern mit Kindern in unserem Alter Urlaub und nach wenigen Stunden waren wir miteinander befreundet.  In einigen Jahren fuhren auch befreundete Familien mit, sodass wir wirklich nie alleine waren und uns langweilten. 

Ans Meer gingen wir in den ersten Jahren selten, denn der Strand war kein Sandstrand, sondern ein Kieselstrand und war daher etwas unbequem. Die Luftmatratzen machten es zwar etwas angenehmer, aber so richtig schön war der Strand nicht, zumal er wirklich winzig war. Das änderte sich in den späteren Jahren und wir haben mehr Zeit dort verbracht. So lagen wir also die meiste Zeit am Pool, wie die anderen Familien auch. Dort lernte ich schwimmen, denn das musste man unbedingt, um bei den Wasserballturnieren, die wir veranstalteten, mitmachen zu können. 

Ach, was könnte ich nicht alles aus dieser Zeit erzählen! Abends nach dem Essen spielten wir Kinder auf der fast unbefahrenen Straße Federball oder Verstecken oder saßen einfach nur zusammen. Manchmal traf man die Kinder im nächsten Jahr wieder und freute sich alte Freunde zu treffen, manchmal kamen neue Kinder dazu. Diese Wochen des Jahres waren die schönsten und Jahr für Jahr freute ich mich auf unseren Urlaub dort. Die Wohnung war übrigens wenig luxuriös, zwar hatte sie drei Schlafzimmer, aber das war es dann auch schon mit dem Luxus. Das Bad war winzig, noch kleiner als unseres in Deutschland. Das Wohnzimmer, welches wir nie nutzten, da wir immer draußen waren, hatte keinen Fernseher und die Küche keine Spülmaschine. Das mag merkwürdig klingen, dass ich das erwähne, aber wir hatten zu Hause schon eine Spülmaschine und das war übrigens das einzige, was ich vermisste. 

Als ich dann älter wurde, muss ich gestehen, dass ich die Schnauze voll davon hatte, immer wieder an den gleichen Urlaubsort zu fahren und das meistens für drei Wochen oder länger! In meiner Teenagerzeit hatte ich einfach keine Lust auf meine Freundinnen zu Hause, den Fernseher und Kino zu verzichten. Doch meinen Eltern gefiel es dort und so fuhren wir dorthin, bis ich 18 war. Danach fuhr ich nicht mehr mit meinen Eltern in Urlaub und sie suchten sich neue Reiseziele.

Wenn ich jedoch an die Jahre meiner Kindheit zurück denke, dann sind es diese Wochen im Jahr, die ich am Besten in Erinnerung habe. Wir brauchten keinen Fernseher oder sonstigen Geräte, die uns unterhielten und bespaßten. Wir spielten mit den anderen Kindern oder unseren Eltern, lagen faul rum und lasen Bücher, besichtigten ab und an mal ein paar Orte in der näheren Umgebung und ließen es uns einfach gut gehen. Es gab immer Melonen oder anderes frisches Obst, das es in Deutschland nicht so oft gab. Abends grillten wir im Garten oder gingen  mal zum Essen in eines der wenigen Restaurants am Ort. Es war einfach eine tolle Zeit und wenn ich noch einmal etwas in meinem Leben machen dürfte, würde ich gerne in die Mitte der 80er reisen und dort noch einmal hinfahren. Einfach noch einmal Kind sein und eine unbeschwerte Zeit verbringen, nicht an Morgen denken und es genießen! 

Mit diesem etwas melancholischem Gedanken verabschiede ich mich für heute und berichte beim nächsten Mal von den Sommerferien, in denen wir nicht weg waren. 



Samstag, 13. Juli 2013

Zurück aus der Schmollecke

Nachdem ich beim letzten Post doch wirklich etwas gefrustet war, bin ich dieses Mal definitiv besserer  Laune. Worüber ich beim letzten Mal geschrieben habe, ist nun einmal der Lauf der Welt und ich kann es nicht ändern. Ich darf mich zwar darüber ärgern, aber es sollte doch kein Grund sein, mir dauerhaft die Stimmung zu vermiesen.

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt mir der alte Doris Day Song "Que Sera, Sera " in den Sinn. Im Grunde genommen bin ich ein recht rationaler Mensch, doch wenn es um solche Sachen geht, dann bin ich da eventuell sogar etwas esoterisch angehaucht. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass nichts auf dieser Welt aus Zufall geschieht, bis auf die Existenz von Stechmücken. Bis heute kann ich nichts Sinnvolles an diesen biestigen Tieren entdecken. Sie sorgen dafür, dass sich juckende Quaddeln auf der Haut ausbreiten und man nachts nicht schlafen kann, weil man ständig dieses schreckliche Geräusch, das sie beim Fliegen machen. Aber gut, es gibt sie halt, wieder zurück zu den Zufällen.

Blicke ich zurück auf mein Leben, dann hat mich alles was bisher geschehen ist, dorthin geführt, wo ich heute bin. Ich habe es gewiss nicht geplant, denn wie sagt das Sprichwort? "Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne." Klar, kann ich eine Reise planen oder meinen nächsten Geburtstag, aber alles andere? Ich hatte andere Ziele für mein Leben, so viel ist klar. Irgendwann einmal vor langer Zeit hatte ich mich mal in einem Verlag gesehen. Dort wollte ich als Lektorin arbeiten und was ist aus mir geworden? Ich habe einen Abschluss in BWL und bin in der Automobil-/Bankenbranche gelandet. Ganz weit weg von meinem ursprünglichen Plan. Kennt ihr das auch, dass ihr euch manchmal fragt, was geschehen wäre, wenn dies oder jenes nicht geschehen wäre? Wäre alles anders gekommen oder doch so, wie es heute ist? Ich mag diese Gedankenspiele und überlege manchmal, was passiert wäre, wenn ich zum Beispiel nicht Französisch als erste Fremdsprache gehabt hätte. Diese Sprache und ich hatten es nicht einfach miteinander und sie hat mir einige Probleme in der Schulzeit bereitet. Wenn ich nun also Englisch gehabt hätte, hätte ich es einfacher gehabt? Hätte ich nicht eine Klasse wiederholen müssen? Hätte ich dann nicht meinen Studentenjob in meiner alten Firma angenommen? Vermutlich nicht, ich hätte nicht meinen Mann und meine zwei besten Freundinnen kennengelernt. Mein gesamter Freundeskreis wäre heute bestimmt ein anderer und eins ist sicher, glücklicher wäre ich nicht. Denn ich bin zufrieden mit meinem Leben und ich möchte es gegen kein anderes eintauschen.

So und mit diesen philosophischen Gedanken verabschiede ich mich für heute und schreibe mal weiter am dritten Teil von "Einsatzort Vergangenheit". Ein Buch zu schreiben, wäre trotz des Wunsches, es zu tun, übrigens auch etwas gewesen, was ich nie getan hätte. Doch dann war ich einige Zeit lang krank und konnte nur rumliegen und mich langweilen. Und weil ich mich so schrecklich langweilte, habe ich angefangen den ersten Teil zu schreiben.

Hier schließt sich also der Kreis wieder und ich kann mit Recht sagen, dass nichts ohne Grund geschieht.

Dienstag, 2. Juli 2013

Die Welt ist ungerecht ...

Eigentlich wollte ich ja nicht jammern, sondern immer alles ganz toll finden. Nur bin ich momentan leider an einem Punkt angekommen, an dem ich es einfach nicht mehr lustig finde.

Da habe ich also ein Buch geschrieben, dass anscheinend recht gut zu unterhalten weiß, wenn man sich die Rezensionen auf Amazon und Co. umschaut. Über viele Wochen und Monate habe ich an meinem Text gesessen, mir überlegt, was als nächstes kommen könnte. Immer wieder habe ich den Text überarbeitet, weil mir gewisse Formulierungen nicht gefielen, Passagen geändert, da sie nicht wirklich in die Geschichte passten. Was ich also sagen will, ist, dass ich alles alleine gemacht habe. Ich habe mir meine Inspirationen nicht aus anderen Büchern geholt und keine sogenannten Platzhalter verwendet an Stellen, an denen ich erst einmal nicht weiter wusste. Nein, ich habe nicht wie eine gewisse andere Indie-Autorin gearbeitet. 

Als die Sache mit den Plagiatsvorwürfen aufkam, war ich erst einmal skeptisch, doch nachdem ich die Beweisstellen, und es waren seeehr viele, gesehen hatte, konnte ich auch nicht mehr verleugnen, dass es Zufall war. Die dann folgende Erklärung es handelte sich um Platzhalter, wie sie bei jedem Autor im schöpferischen Prozess üblich seien, war das Lächerlichste, was ich je gehört habe. 

Die besagten Bücher wurden vom Markt genommen und waren nicht mehr erhältlich. Bis vor kurzem. Anscheinend haben sich die Anwälte der beiden Parteien geeinigt und was macht die Dame? Stellt ihre Bücher, ganz so als sei nichts gewesen, wieder bei Amazon ein. Die abgeschriebenen Stellen waren nun leicht abgeändert und doch dauerte es nur ein paar Tage, bis einige findige Leser erneut identische Stellen, dieses Mal aus anderen Büchern, fanden. Was war die Folge? Es gibt nun eine erneut überarbeitete Version zu finden und das war es. 

Was mich daran stört? Die Tatsache, dass das die Neuleser anscheinend nicht stört! Die neuesten Rezensionen schwärmen davon, wie lustig das Buch ist und wie unterhaltsam und so weiter. Hallo? Geht's noch? Der Verkauf dieses Buches ist für alle Indie-Autoren, die mit viel Mühe und Liebe an ihren Werken arbeiten ein Schlag ins Gesicht! Warum sollten wir uns eigentlich noch weiter anstrengen? Einfach copy+paste anwenden und schon hat man ein fertiges Buch. Selbst wenn es aufgefallen ist, dass das man abgeschrieben hat, scheint es noch genug Leser zu geben, die das nicht interessiert. Hauptsache, das Buch ist irgendwie unterhaltsam. 

Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr und muss gestehen, dass solche Sachen, mir ehrlich gesagt, ein wenig die Lust am Schreiben vergällen. Warum sollte ich mich weiter anstrengen? Ich bekomme regelmäßig das Feedback, dass meinen Lesern die Bücher gefallen. (Gut, es gibt auch Ausnahmen, aber die gibt es immer) Aber bringt mich das weiter? Wird mein Buch dadurch bekannter? Wird es mehr verkauft? Die ehrliche Antwort ist nein und so muss ich zusehen, wie andere Bücher, die auf den Ideen von anderen basieren, sich wesentlich besser verkaufen als meine. 

Klar haben wir etwas andere Zielgruppen, doch mir geht es ums Prinzip und ich kann einfach nicht verstehen, wie sich die Dreistigkeit dieser Dame auszahlt, während andere in die Röhre schauen. 

Ich geh' dann mal eine Runde schmollen ...