Samstag, 20. Juli 2013

Sommerferien Teil 2 oder Summer in the City

Das Hoch, das unser Wetter derzeit bestimmt ist ziemlich ausdauernd und willensstark. Ich kann mich nur an wenige Jahre erinnern, in denen das Wetter im Sommer so lange so gut und angenehm war. Nachts kann man gut schlafen und tagsüber ist die Temperatur derart angenehm, dass man immer noch Lust hat etwas zu unternehmen. Müsste ich nicht arbeiten gehen und hätte Urlaub wäre das ganze ein wahrer Traum. Aber ich will mich nicht beklagen, ich hatte schon Urlaub und es war ein richtig schöner. Außerdem habe ich ja noch ein paar Tage übrig :-)

Wie schon beim letzten Mal versprochen, wollte ich in meinem nächsten Blogeintrag über die Sommerferien berichten, in denen meine Eltern nicht in Urlaub gefahren sind. Ich war elf, fast zwölf als meine Mutter beschloss, dass es wieder an der Zeit sei arbeiten zu gehen und sie lange genug zu Hause geblieben war. Wie das mit neuen Arbeitsstellen so ist, gab es auch dort eine Probezeit und die fiel nun mal in die Sommerferien. Wir fuhren also nicht weg und es war tatsächlich der einzige Sommer, den ich komplett zu Hause verbracht habe. Was also macht man, wenn man die ganze Zeit zu Hause ist?

Ich weiß nicht, ob es das auch in anderen Städten gibt, aber bei uns gab und gibt es die Ferienkarte. Damals kostete sie 25 Mark und sie war die Eintrittskarte zu vielem. Man konnte damit die gesamte Ferienzeit über die Stadtbusse nutzen, hatte freien Eintritt in alle Schwimmbäder der Stadt und für eine Mark Eintritt konnte man ins Kino gehen. Es waren zwar immer etwas ältere Filme und die Vorstellungen fanden morgens um zehn und zwölf statt, aber bei diesen Preisen konnte man nicht meckern. Es gab auch noch diverse Kurse, wie Töpfern oder Ähnliches sowie Tagesausflüge in nahe gelegene Freizeitparksparks. Für diese Kurse musste man sich jedoch anmelden und die waren in der Regel ziemlich schnell ausgebucht. Aber das war sowieso nicht so schlimm, denn uns reichte es, dass wir schwimmen und ins Kino gehen konnten. So verbrachte ich also meine Sommerferien zusammen mit den Klassenkameradinnen, die auch nicht weg waren.

Das war 1986 und es gab noch keine PCs im Haus. Von Internet, Handy oder Spielkonsolen war noch lange keine Rede! Trotzdem war es eine schöne Zeit und langweilig war es auch nie. Ich sehne diese Zeit nicht wirklich zurück, erinnere mich aber gerne daran. Wenn ich daran zurück denke, bin ich immer wieder überrascht, wie schnell sich das alles in den letzten Jahren gewandelt hat. Damals hätte ich bestimmt nicht geglaubt, dass ich einmal mit meinem Computer auf meiner Terrasse sitze und dabei Musik aus einem tragbaren Telefon höre.

Damit ich jedoch nicht komplett alleine war, nahm mein Vater sich auch ein paar Wochen Urlaub und unternahm einiges mit mir zusammen. Jetzt kommt die Frage, was glaubt ihr, wünscht sich eine Elfjährige dann zu machen? Ausflüge auf einen Ponyhof? Einkaufen gehen? Weit gefehlt! Ich wünschte mir jedes Museum der Stadt zu besuchen. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Geschichte in der Schule als Unterrichtsfach hatte, war ich schon sehr an der Vergangenheit interessiert. Vielleicht kommt es dadurch, dass ich aus einer Stadt komme, in der man immer etwas aus alten Zeiten findet, sobald irgendwo gebaut wird. Ich glaube, ich war sechs oder sieben, da wurden beim Bau eines Hotels Schiffe aus der Römerzeit gefunden. Meine Großeltern lebten nur einen Katzensprung davon entfernt und so kam es häufiger vor, dass wir uns die Ausgrabungsstellen ansahen. Geschichte ist etwas, das in Mainz allgegenwärtig ist und ich wollte in diesem Sommer mehr über meine Heimatstadt erfahren.
So zogen mein Vater und ich also los: Ins Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Landesmuseum, dem Dommuseum und natürlich auch ins Gutenberg-Museum. Das Museum zu Ehren des größten Sohnes, den die Stadt bisher hervorgebracht hat. Mein Vater war mitten in Mainz aufgewachsen und hatte als Kind noch in den Trümmern der völlig zerstörten Stadt gespielt. Er kannte die Stadt, wie seine Westentasche und zeigte mir die historischen Gebäude, die den Krieg unbeschadet überstanden haben und ihre Geschichte dazu. Es war der Sommer, in dem ich meine Stadt kennenlernte und noch heute denke ich gerne an diesen Sommer zurück. Für mich war es nicht langweilig, die ganzen Kirchen oder Museen zu besichtigen. Ich fand es aufregend und spannend, mit meinem Vater an der Seite hatte ich den besten Stadtführer an meiner Seite den man sich wünschen konnte.

Es war immer der Wunsch meines Vaters ein Buch zu schreiben. Er war Pressesprecher der Polizei und im Fastnachtsverein aktiv, das Schreiben und das Spielen mit Worten lag ihm also. Leider musste er viel zu früh von uns gehen, sodass er nicht mehr dazu kam seinen Traum in Angriff zu nehmen. Ich glaube, dass er auf seiner Wolke sitzt und stolz darauf ist, dass seine Tochter Bücher schreibt. Er war ein großer Fan von Science-Fiction Romanen und Zeitreisegeschichten hatten es ihm genauso angetan wie mir. Wir haben oft über das Großvaterparadoxon gesprochen und was bei Zeitreisen möglich ist und was nicht. Ich bin mir sicher, der dritte Teil von "Einsatzort Vergangenheit" hätte ihn besonders gut gefallen. Nicht nur, dass es wieder Zeitreisen gibt, nein dieser Teil spielt auch noch in seiner Stadt. Darum werde ich auch diesen Band meinem Vater und der Erinnerungen an den Sommer 1986 widmen.

Es war der einzige Sommer zu Hause und obwohl er so anders war, mitunter der schönste Urlaub meiner Kindheit.

Euch allen noch ein schönes Wochenende mit viel Sonnenschein!