Sonntag, 15. September 2013

Zustände wie im Mittelalter

Wie? Was? Zustände im Mittelalter? Ich könnte auch schreiben: "Zustände wie im Barock" oder "Zustände wie in der Steinzeit" und es hätte fast den gleichen Sinn.


Nein, ich habe nicht angefangen mich auf eine Rolle bei diesen Doku-Soaps à la "Gutshaus 1900" oder ähnlichem zu bewerben. Ich habe auch nicht vor für längere Zeit mit anderen Menschen von einem Mittelaltermarkt zum nächsten zu ziehen. Es geht gar nicht in die Richtung, sondern findet eher im häuslichen Teil meines Lebens statt.

Was passiert ist? Unser Boiler ist defekt und wir haben seit Dienstag kein warmes Wasser mehr. Es fing damit an, dass ich bemerkte, dass unser Wasser doch einen komischen Geruch angenommen hätte und ich dass mehr als bedenklich fand. Mein Mann war zunächst etwas skeptisch, ich meine, Wasser, das riecht? Passiert ja wohl eher selten. Doch dann fiel es ihm glücklicherweise auch auf und ich war froh, dass ich nicht anfing Wahnvorstellungen zu haben, sondern es offensichtlich tatsächlich ein Problem mit unserem warmen Wasser gab. Nun gut, da wir zuvor noch nie Probleme mit den Installationen hatten, mussten wir uns erst einmal einen Installateur aus der Gegend suchen. Der gute Mann kam auch, stellte fest, dass unser Boiler defekt ist und folglich ersetzt werden muss. Noch am gleichen Abend brachte er uns auch das Angebot vorbei. Tja, was soll ich sagen? Man hatte leider vergessen uns zu sagen, dass man aber ziemlich ausgebucht ist und man vor Oktober keine Termine mehr frei hatte. Da wir natürlich nicht so lange warten wollen, haben wir uns auf die Suche nach Alternativen begeben. Wenn wir Glück haben, kommt morgen jemand vorbei, der sich das Ganze noch einmal ansieht. Und wenn wir noch viel mehr Glück haben, wird das auch noch im Laufe der Woche repariert. Also bitte mal Daumen drücken!


Als ich das im Freundeskreis erzählt habe, waren die meisten ziemlich entsetzt und haben mir gleich angeboten, dass ich auch gerne bei ihnen vorbeikommen kann, wenn ich mal duschen möchte. Eine meiner Freundinnen meinte, dass ich mich nun gleich wie die Menschen in meinen Büchern fühlen könnte, die hätten auch kein warmes Wasser gehabt. Aber stimmt das? Ist es wirklich so, wie in der Vergangenheit?

Meine Antwort kann nur lauten: Nein! Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten gibt es zu unserer Situation einen großen Unterschied: Während nur das warme Wasser nicht funktioniert, sprudelt das kalte weiterhin fröhlich aus dem Wasserhahn. Wenn wir nun wie in der Vergangenheit lebten, dann hätten wir auch kein fließend kaltes Wasser und das wäre dann für doch ein ziemlich unzumutbarer Zustand. Das wäre dann der Zeitpunkt, an dem ich sagen würde: "Schatz, lass uns in ein Hotel umziehen", oder aber: "Schatz, lass uns einen Installateur kidnappen und solange gefangen halten, bis er das wieder repariert hat".

So aber, finde ich, dass es wesentlich Schlimmeres gibt. Meine Haare werden mit kaltem Wasser gewaschen, zum Waschen mache ich mir das Wasser im Wasserkocher warm und vermische es dann mit kaltem Wasser. Klar, wäre es toll, sich morgens unter die Dusche zu stellen und einfach nur auf warmes Wasser zu drehen, aber ich kann nicht zaubern. Denn wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es wirklich kein so großer Deal. Ich erinnere mich, wie es vor ein paar Jahren am ersten Adventswochenende ziemlich heftig geschneit hatte und die Strommasten auf Grund der Schneemenge zusammengebrochen sind. Ziemlich viele Landstriche waren mit einem Schlag ohne Strom. Diese armen Menschen mussten bei bitterer Kälte ohne Strom auskommen. Wie wäre das? Da konnte man wirklich sagen, dass dort Zustände wie im Mittelalter herrschten, aber nur weil man kein warmes Wasser hat. Es ist ein Luxusgut, an das wir uns gewöhnt haben und das wir schwerlich vermissen, wenn es uns einmal weggenommen wird. Aber wir können ohne weiteres ohne warmes Wasser für einige Zeit auskommen und es ist kein Beinbruch, lediglich ein Einschnitt ins Wohlbefinden.

Bleibt mir nur zu hoffen, dass einer unserer Freunde seinen Scherz nicht wahr macht. Als ich nämlich sagte, dass wir ja immerhin noch Strom hätten, meinte er: "Das können wir ändern ..." Und er könnte es tatsächlich, denn er arbeitet bei dem Unternehmen von dem wir unseren Strom beziehen!

In diesem Sinne Euch einen schönen Sonntag und nehmt ein heißes Bad für mich mit :-)