Samstag, 26. Juli 2014

Glaubenskriege

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehöre zu den Menschen, die sich, bevor sie eine größere Anschaffung tätigen, stundenlang im Netz informieren. Mit ein paar Schlagwörtern, die man in die große allgegenwärtige Suchmaschine eingibt, gelangt man auch recht schnell zu Suchergebnissen.

Nur hilft mir das bei meinen Entscheidungen weiter? Ich habe festgestellt, dass man recht schnell in eine Art Glaubenskrieg kommt, wenn man sich umsieht. So gibt es nicht wenige Menschen, die in einem Forum, das speziell für dieses Gerät gedacht ist, danach fragen, wie denn die Erfahrungen der anderen Nutzer sind, und welche Vor- und Nachteile es denn gibt. 
Gerade bei Geräten, deren Anschaffungskosten etwas höher liegen als bei anderen, passiert etwas besonderes. In den Foren tummeln sich nämlich nicht nur Besitzer dieser Geräte, die sich mit anderen austauschen und ihre Erfahrungen teilen wollen. Oh nein, ich habe den Eindruck, dass es eine nicht kleine Zahl von Menschen gibt, die aus welchen Gründen auch immer, etwas gegen dieses Produkt haben. Dabei fällt oft auf, dass diese Personen, die ihren Senf dazugeben, das Gerät, um das es geht, gar nicht besitzen. Sie haben nur davon gehört, es mal irgendwo gesehen und befunden, dass es nichts für sie ist. Das ist auch jedermanns gutes Recht. Es soll keiner gezwungen werden, etwas zu erwerben was er nicht will. 

ABER BITTE! Müsst ihr euch dann in Foren rum treiben und dagegen stänkern? Was bringt es euch? Warum opfert ihr einen Teil eurer wertvollen Zeit und schreibt über etwas, dass ihr gar nicht euer Eigen nennt? Meint ihr, dass so dem Suchenden geholfen wird? NEIN, ganz gewiss nicht. Es wäre etwas anderes, wenn ihr darüber berichten würdet, dass ihr jenes Gerät besessen habt und nach kurzer Zeit davon enttäuscht wurdet, weil dies oder das nicht funktionierte. Das wären Argumente, die ich noch nachvollziehen könnte, aber einfach zu schreiben, dass einem das Gerät aus nicht näher benannten Gründen niemals ins Haus käme, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist wichtig zu erfahren, was bei einem Produkt nicht okay ist, solange man aus eigener Erfahrung darüber zu berichten weiß, aber doch nicht, weil die Mutter von der Schwiegertochter eines Kollegen meiner Kusine, was dazu gesagt hat! 

Nur was soll man als potenzieller Käufer machen? Bestenlisten, Stiftung Warentest etc. sind leider nicht immer hilfreich. Es kommt oft vor, dass das Produkt, dass man im Auge hat, nicht immer mit der Bestnote getestet wurde, weil die Tester möglicherweise besonderen Wert auf etwas legen, worauf man als Nutzer gar nicht achtet. Man ist in diesen Fällen auf die Meinung der virtuellen Gemeinde angewiesen. Die aber leider nicht immer so hilfreich ist und ehe man sich versieht ist man in einer regelrechten Schlammschlacht gelandet. Denn es werden in diesen Foren wahre Glaubenskriege ausgefochten. Es gibt diejenigen, die ihr Produkt bis aufs Letzte verteidigen, nicht immer mit den besten Argumenten und diejenigen, die sich als Gegner darüber lustig machen. Wenn es um solche Fragen geht, ist auch der Ton oft recht scharf und nicht selten habe ich gelesen, wie es zu Bemerkungen kam, die meines Erachtens unter die Gürtellinie gingen.

Warum können die Menschen in den Foren nicht nur zu den Produkten etwas schreiben, die sie tatsächlich besitzen? Warum müssen sie ihre Abneigung überall in die Welt hinaus posaunen? Ich frage mich, ob das ganze solche Ausmaße ergreifen würde, wenn man nicht mit Nickname, sondern Klarnamen schreiben würde? Datenschutz ist gut und wichtig, aber sich unter einem Deckmantel der Anonymität zu verstecken und dann gegen alles mögliche zu gehen, kann auch nicht der Sinn dessen sein.

Ich werde ab jetzt lieber meine eigenen Erfahrungen machen und Foren nur noch ab und an nach Informationen durchforsten. Alles andere raubt mir zu viel Zeit und Nerven!






Sonntag, 20. Juli 2014

Das Experiment - Teil 3

Anfang des Jahres habe ich bekanntermaßen beschlossen, dass ich es doch einmal versuchen könnte, mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren könnte. Was ist eigentlich daraus geworden? 

Nun, was soll ich sagen? Ich fahre wieder mit dem Auto und muss das Experiment Bus und Bahn für gescheitert erklären. 

Woran lag es? Laut Fahrplanauskunft hätte die gesamte Fahrt nur eine Stunde gedauert. Das ist schon grenzwertig, aber wenn man bedenkt, dass ich ab und an auch gut und gerne mal bis zu einer Stunde mit dem Auto brauche, eine Überlegung wert. Aber diese Stunde Fahrzeit gab es leider nur auf dem Papier, in Wahrheit war ich knapp 90 Minuten unterwegs. Aus mir bis heute unerklärlichen Gründen fuhr die Bahn von meiner ersten Haltestelle bis zur nächsten immer im Schneckentempo, was natürlich Zeit kostete. Hinzu kamen Stopps am Frankfurter Flughafen und Hauptbahnhof, was selbstverständlich weitere Verspätungen mit sich brachte. Im Grunde genommen wäre das auch alles nicht so schlimm gewesen. Allerdings hat sich irgendein schlauer Fahrplanbastler gedacht, dass es doch toll sei, morgens um halb acht die Straßenbahn, in die ich umsteigen musste, nicht wie sonst im vier bis fünf Minuten Takt, sondern nur noch alle zehn bis zwölf Minuten fahren zu lassen. Kam meine S-Bahn entgegen aller Erwartungen pünktlich an, hatte ich sensationelle zwei Minuten Zeit, um vom zweiten Untergeschoss der S-Bahn-Station nach oben zu laufen und eine recht viel befahrene Straße zu überqueren um noch die Straßenbahn zu erreichen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich fast jedes Mal die Bahn nur noch von hinten zu sehen bekam. Was bedeutete, dass ich zwölf weitere Minuten an der frischen Luft verbringen durfte. Im Winter kein Vergnügen, denn der Wind blies permanent an dieser Ecke. Wobei wir nicht vergessen dürfen, dass der letzte Winter kein wirklicher war, sondern eher ein zu kalt geratener Frühling. Ich mag gar nicht daran denken, wie es dort wäre, wenn wir tatsächlich mal Winter hätten. 

Jetzt könnte ja jemand auf die Idee kommen und sagen, dass ich doch dann einfach früher oder später losfahren könnte, wenn da die Straßenbahnen besser fahren. Könnte ich ... Rein theoretisch. Aber da spielte dann der Busfahrplan, der mich zum Bahnhof bringen sollte, nicht mit.  Egal, wie man es drehte und wendete, ich war fast immer 90 Minuten unterwegs. Außerdem hätte ich, um früher zu fahren, das Haus um zehn nach sechs verlassen müssen ... 
Die Heimfahrten waren eigentlich besser, da passte es besser zusammen, solange ich das mit meiner Busverbindung nach Hause abgestimmt hatte. 

Irgendwie nervte es mich, dass ich morgens noch viel länger unterwegs war als vorher, auch wenn ich selbst weniger Stress dabei hatte. Wer weiß, ob ich das nicht vielleicht doch auf Dauer gemacht hätte, wenn nicht mit einem Mal meine morgendliche Stauecke von heute auf morgen nicht mehr existierte. Ich stand jeden Morgen zehn bis fünfzehn Minuten an der gleichen Ecke, bis irgendwelche netten Menschen auf die Idee kamen, dass man die Strecke an der Stelle zweispurig lassen kann und es gar nicht nötig ist, das ganze auf eine Spur zu verengen. Mit einem Schlag hatte sich meine Fahrtzeit verkürzt und ich brauche seitdem eigentlich nur noch 30 Minuten ins Büro. Wenn man das mit den 90 Minuten der Bahn vergleicht, ist das schon ein enormer Unterschied. Abends stehe ich ab und an mal im dichten Verkehr, doch trotzdem ist der Zeitaufwand geringer als mit der Bahn. 

Klar kann ich jetzt nicht mehr unterwegs lesen oder an meinem Buch schreiben, was vielleicht ein Nachteil ist, aber ich bin auch flexibler. Ich bin nicht auf die Minute genau getaktet und muss nicht aufpassen, dass ich nicht zu spät aus dem Büro gehe, da ich ansonsten die Bahn verpasse. Außerdem höre ich jetzt mehr Hörbücher als vorher, was im entferntesten Sinne auch lesen ist, nur mit den Ohren. 

In den ganzen Wochen meines Experiments hatte ich allerdings nur einmal eine ausgefallene Bahn, keinen Personenschaden und die Verspätungen waren unter zehn Minuten! Würde ich direkt in Frankfurt wohnen oder mein Büro im Zentrum Frankfurts liegen, würde ich mir das mit den Öffentlichen noch mal überlegen, aber so muss ich das Experiment Bahn bis auf wenige Ausnahmen für beendet erklären. 

Es gibt nämlich doch noch Tage, an denen ich die Bahn nutze und zwar an Tagen vor langen Wochenenden. Irgendwie scheint dann ganz Deutschland auf der A3 zu sein und es muss nur ein Unfall dazwischen kommen und ich bin noch länger mit dem Auto unterwegs als mit der Bahn. Das sind die Tage, an denen ich mir meinen Kindle schnappe und es genieße, dass ich nicht mit den anderen Autos auf der Autobahn spielen muss.