Samstag, 12. September 2015

Mission Glasschuh - Teaser Nr. 3

 Während ich über beide Ohren in der Überarbeitung von "Einsatzort Vergangenheit: Mission Glasschuh" steckte, dachte ich mir, dass an der Zeit für einen neuen Ausschnitt ist.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und wer Fehler findet, darf sie gerne behalten, es ist nämlich noch alles unkorrigiert ;-)

»Und was sind deine Pläne für Weihnachten?«, fragte er mich schließlich und ich wollte ihm gerade antworten, als mein Blick auf die große Scheibe eines sehr teuren und sehr exklusiven Restaurants fiel. Ich schaute noch einmal hin und noch ein weiteres Mal, blinzelte einige Mal, nur um sicherzugehen, dass mit meinen Augen alles in Ordnung war. Doch leider war mit ihnen alles bestens. Was nicht bestens war, war das, was ich sah. In unmittelbarer Nähe der Fensterfront saß Phil und er war nicht alleine. Neben ihm saß eine umwerfend gut aussehende Frau, die ihn mit ihren Augen aufzufressen schien. Mit der einen Hand fuhr sie sich durch das lange, glatte und unverschämt glänzende Haar, während sie die andere Hand auf seinen Oberarm legte. Dabei schenkte sie ihm ein aufreizendes Lächeln, das eindeutig eine Einladung zu mehr war. Hatte Phil nicht gesagt, dass er an diesem Abend die Einladung zu einem Essen mit einem Geschäftspartner wahrnehmen musste? Warum hatte er vergessen dabei zu erwähnen, dass dieser Partner so aussah, als wäre sie ständig auf den Covern der Hochglanzzeitschriften zuhause, die Marie so gerne las. Diese Frau war makellos schön und verdammt jung. Mit klopfendem Herzen beobachtete ich, wie Phil zu einer Bemerkung die sie machte, laut auflachte. Was ging hier vor? Phil hatte gewusst, dass ich an diesem Abend einen Elternabend hatte. Hatte er mit Absicht diesen Termin so gelegt und erwartet, dass ich es nicht mitbekam? Simon folgte meinem Blick und sah ebenfalls zum Restaurant. 
»Ist etwas nicht in Ordnung? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen?«, fragte er besorgt und legte mir eine Hand auf die Schulter. Gewaltsam wandte ich meinem Blick von Phil und der bildhübschen Frau ab und zwang mich dazu meinen Kollegen anzusehen. Ich grinste schief und lachte künstlich auf.
»Ja, sicher. Mir ist nur gerade eingefallen, dass ich heute schon wieder vergessen habe, ein Paket von der Post abzuholen. Heute war die letzte Gelegenheit dazu, morgen wird es zurückgeschickt«, flunkerte ich blitzschnell. Es war erstaunlich, wie gut ich das Lügen in meiner aktiven Zeit als Zeitreisende gelernt hatte. Früher hätte ich gestammelt und gestottert, nun kamen mir diese kleinen Notlügen flüssig über die Lippen und wirkten auch noch glaubhaft. Simon schien mir die Ausrede abzunehmen, und setzte den Weg in Richtung Irish Pub fort.

Ich lag bereits im Bett, als ich hörte, wie Phil leise die Haustür öffnete und auf Zehenspitzen die Wohnung betrat. Simon und ich waren nicht lange im Pub gewesen. Zum einen war ich nach dem langen Tag ziemlich müde und erschöpft und zum anderen wollte mir das Bild von Phil und der mir unbekannten Frau nicht aus dem Kopf gehen. Immer wieder waren meine Gedanken dorthin abgewandert und ich hatte mich gefragt, ob ich mir Sorgen machen sollte. Er hatte mir von einem Geschäftsessen erzählt. Sehr geschäftlich hatte das trotz des Anzugs, den Phil getragen hatte, nicht auf mich gewirkt. Ganz im Gegenteil - es hatte sehr locker und intim ausgesehen. Vielleicht wurden so die großen Geschäfte abgeschlossen, was wusste ich denn schon? Ich war Lehrerin und hatte keine Ahnung von Firmenpolitik. Simon hatte sich alle Mühe gegeben, mich zu unterhalten. Um ihn nicht wissen zu lassen, dass es mir gar nicht so gut ging, hatte ich bei seinen Scherzen laut gelacht und versucht ihm das Gefühl zu geben, dass er der einzige Mann im Raum sei. Ich befürchtete, dass er nun glaubte, dass ich ein wenig mit ihm geflirtet hatte und hoffte, dass er es nicht allzu ernst genommen hatte.

Die Tür zum Schlafzimmer ging auf und Phil kam zu mir ins Bett. Was sollte ich tun? Ihm sagen, dass ich ihn gesehen hatte? Ihm Vorwürfe machen? Was, wenn sie wirklich seine Geschäftspartnerin war? Ich durfte nicht gleich überall Gespenster sehen, nur weil die Frau umwerfend attraktiv gewesen war. Nur weil sie derart gut aussah, stand das nicht gleich im Widerspruch zu ihren anderen Fähigkeiten. Sie war vielleicht eine hervorragende Taktikerin und Strategin, der niemand ein X für ein U vormachen konnte. Sollte dem so sein, hasste ich sie gleich noch viel mehr. 
»Wo warst du heute Abend?«, fragte ich und tat so, als sei nichts geschehen. Er würde mir schon sagen, mit wem er unterwegs gewesen war. Phil beugte sich zu mir und gab mir einen kurzen Kuss. Er roch nach Zahnpasta und frisch geduscht. 
»Du bist noch wach? Es ist ziemlich spät. Ich habe einen sehr langweiligen Abend mit jemandem verbracht, von dem ich hoffe, dass wir seine Firma kaufen können«, sagte er und zog sich im Dunklen aus. Er legte sich auf seine Seite des Bettes und gähnte laut. 

»Ich bin müde, macht es dir was aus, wenn wir morgen weiterreden?«, fuhr er fort. Er gähnte erneut, gab mir einen Kuss und drehte sich von mir weg. Mir wurde heiß und kalt zugleich. Was ging hier vor? Phil kam nach Hause und belog mich, mit wem er den Abend verbracht hatte? Nur schwer wollte sich in dieser Nacht der Schlaf einstellen, und als mir endlich die Augen zufielen, sah ich als Letztes das Bild vor mir, wie die hübsche Brünette, Phil anfasste und ihm ein aufreizendes Lächeln schenkte. 

Sonntag, 6. September 2015

Life is a B...

Ich gebe es zu, es gab schon einmal Zeiten, in denen es mir besser ging. Ganz eindeutig. Momentan scheine ich nur mieses Karma zu haben und egal, was ich anfasse, es verwandelt sich statt in Gold in Pech. Was hätte ich im Angebot? 
  • Einige traurige Entwicklungen innerhalb der Familie und engem Freundeskreis. Von Trennungen hin zu sehr schweren Erkrankungen.
  • Ein Auto, das eigentlich nur zum TÜV sollte und eine extrem teure Reparatur nach sich zog. 
  • Ein Urlaub nach Schottland, ein jahrelang gehegter Traum , der in allerletzter Minute abgesagt werden musste, weil mein Mann es vorgezogen hat, sich den Fuß in Gips legen zu lassen ... 
Gerade nach dem letzten Ereignis dachte ich, dass das echt nicht wahr sein kann und fragte mich verzweifelt, ob ich nur noch Pech habe. Die Trauer und die Wut, dass ich meinen lang ersehnten Urlaub absagen musste, waren riesig. Es wäre mein erster längerer Urlaub am Stück gewesen und ich hatte mich darauf gefreut, wie ein Kind auf Weihnachten. (Ich habe den Urlaub komplett abgesagt und werde ganz normal arbeiten gehen) Ich war also eigentlich fertig mit der Welt und hatte eine Stinkwut auf alles und jeden. 

Wirklich happy bin ich noch immer nicht, aber ein kleiner Zeitungsartikel hat mir klar gemacht, dass ich sie echt nicht mehr alle habe. Ich rege mich über ausgefallenen Urlaub und einige hundert Euro auf? Ich glaube, jeder dieser armen Menschen, die derzeit, unter oft unwürdigen Bedingungen, zu Massen ihre Heimat verlassen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, wäre froh, meine Probleme sein eigen zu nennen, wenn es bedeutete, dass sie in Sicherheit wären. Ich weiß, dass ich morgen aufstehen werde und nicht wegen vermeintlich falscher religiösen oder politischen Überzeugungen verfolgte werde. Mein Leben oder das meiner Nächsten ist nicht wegen Unruhen, Kriegen oder Glaubenskämpfen in Gefahr. Was diese Menschen auf sich nehmen, um einen Neuanfang zu wagen, verlangt Respekt. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Erst wenn es unerträglich wird und man um Leib und Leben fürchten muss, verlassen Menschen ihre Heimat und lassen fast alles zurück, in der Hoffnung ein neues Leben anfangen zu können. Ein Leben, in dem sie nicht mehr mit der Angst leben müssen, dass der nächste Tag zugleich ihr letzter sein könnte. 
Wenn ich dann Berichte aus anderen Teilen meines Landes sehe, schäme ich mich zutiefst für die Ignoranz dieser Menschen. Es ist noch nicht so lange her, da lebten sie selbst in einer Diktatur und mehr als einer hat in dieser Zeit die Flucht gewagt. Wurden sie damals abgewiesen und verjagt? Ich war damals noch recht jung und Politik so gar nicht mein Ding, aber ich kann mich daran erinnern, dass keiner an der Grenze angepöbelt und beschimpft wurde. Das sollten sich vielleicht einige meiner Landsleute noch einmal in Erinnerung rufen. Ich könnte noch einiges zu diesem Thema anmerken, aber ich will es nicht überreizen.

Wie gesagt, ich war schon einmal glücklicher und es gibt immer noch Dinge, die mir schwere Sorgen machen, aber ein ausgefallener Urlaub? Nein, der sollte nicht dazu gehören. Den kann man nachholen ... 

Mittwoch, 2. September 2015

Warum gibt es das bei uns nicht?

Wer meine Bücher kennt, der wird sich vielleicht ein wenig wundern, warum die meisten Zeitreisen Laura und Phil nach England führen. Mag ich Deutschland etwa nicht? Ist es nicht interessant genug? Nein, es ist viel einfacher: Das Recherchematerial für die englischen Zeiten ist um einiges umfangreicher, als das, was es auf dem deutschen Markt gibt.

Schauen wir uns einmal bei den Büchern zu "Einsatzort Vergangenheit" um: Da habe ich das, schon oft erwähnte, The Time Traveller's Guide to Elizabethan England genutzt, um mich in die Zeit Shakespeares und Co. einzulesen. Aber das war beileibe nicht das einzige Buch, das ich genutzt habe. Zu erwähnen sind noch Elizabeth's London: Everyday Life in Elizabethan London oder aber Pleasures and Pastimes in Tudor England und und und ... Die Liste der Bücher, die ich konsultiert habe, ist lang und umfangreich. Aber nicht nur das, es gibt im Internet Dutzende Seiten und Blogs, die sich mit dem Thema Leben und Alltag im Elizabethanischen England und somit auch dem England Shakespeares beschäftigen. Die Quellen sind zahlreich und fast alle Fragen, die sich einem während des Schreibens gestellt haben, wurden dort beantwortet.

Bei "Endstation Vergangenheit?" hatte ich das Glück, dass der größte Teil der Geschichte in meiner Heimatstadt spielt und es mir damit recht leicht fiel, die Materialien zu besorgen, die ich brauchte, wenn es um die Stadt ging. Aber! Genau, ein aber gibt es: Es war nicht einfach Bücher über das Leben in der Zeit zwischen Revolution und Reichsgründung zu finden. Die Suche danach gestaltete sich recht schwer und es gab Tage, an denen ich verzweifelte. Was war ich froh, als ich das Buch  Dienstbare Geister gefunden hatte, das sich mit Dienstboten in Deutschland beschäftigte. Bisher hatte ich mich nämlich mal wieder auf englische Bücher berufen müssen, die es dank "Downton Abbey" zuhauf gibt.
Mit dem anderen Setting in Versailles hatte ich mehr Glück, da gab es einiges an Materialien, die das Leben und die Umstände bei Hofe beschrieben. So zum Beispiel: Die Giftaffäre: Mord, Menschenopfer und Schwarze Messen am Hof Ludwigs XIV oder Hinter den Fassaden von Versailles: Mätressen, Flöhe und Intrigen am Hof des Sonnenkönigs.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einfach viel schwerer ist, Materialien über das Alltagsleben der verschiedensten Epochen in Deutschland zu finden. Zuerst dachte, ich, dass ich mir das vielleicht einbilde und einen Tunnelblick habe, aber ein Besuch in einigen Buchladen zeigte mir, dass ich mit meiner Vermutung recht behalten sollte. Geschichtsbücher in Deutschland beschäftigen sich hauptsächlich mit der jüngeren Geschichte, dem dunkelsten Kapitel unseres Landes. Wer etwas über diese Zeit wissen will, wird schnell fündig. Aber darüber hinaus? Vielleicht noch etwas über die Geschichte, die Politik des Kaiserreichs, aber was ist mit dem Alltagsleben? Da wird man wirklich kaum fündig. Es gibt einige Bücher zum Thema "Alltag im Mittelalter", aber ist das alles, was wir zu bieten haben? Warum gibt es keine Bücher, die sich mit dem Leben zu Zeiten der Reformation beschäftigen? Oder in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges? Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, ich will Bücher zum Alltag, zum Leben der Menschen. Was sie gegessen haben, wie sie sich amüsierten, wie das Familienleben war und so weiter. Nichts über die politischen Umstände, darüber kann ich schnell Informationen finden, das ist keine Herausforderung. Aber der Alltag? Fehlanzeige. Es gibt auch erstaunlich wenige Blogs, die sich mit Deutscher Geschichte befassen und mir Hinweise geben könnten, wo ich sonst noch suchen könnte.
Was ich für Deutschland so verzweifelt suche, gibt es für den englischsprachigen Raum mehr als genug. Die Beispiele, die ich oben genannte habe, belegen das deutlich. Nicht nur das, englische Geschichtsbücher lesen sich um einiges interessanter als deutsche. Sie wissen, trotz des Fachthemas zu unterhalten. Es gibt nur wenige deutsche Autoren, die das können. Besonders erwähnen möchte ich hier: Ritter, Mönch und Bauersleut: Eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters. Eines der wenigen Bücher, die sich eines trockenen Themas derart locker annehmen.

In einem anderen Post habe ich angedeutet, dass ich gerne einen sechsten Band schreiben möchte. Ich habe eine Idee im Kopf, die nicht direkt an einen Ort, nur ein wenig an die Zeit gebunden ist. Wenn es aber darum geht, woher ich das Material für die Recherche bekomme, denke ich, dass es wieder auf ein Setting in einem englischsprachigen Raum hinausläuft. Allerdings schweben mir dieses Mal die USA vor, aber da ich bisher nur eine Grundidee habe, bin ich noch nicht wirklich festgelegt. Vielleicht überlege ich es mir noch einmal anders und wähle einen Einsatzort in Deutschland ...

Es hat also nichts damit zu tun, dass ich meine Heimat ablehne, ganz im Gegenteil: Ich habe mich bewusst dafür entschieden, den Teil, der in der Gegenwart spielt, in Deutschland spielen zu lassen. Auch mein Projekt "Liebe - Klappe, die Zweite" spielt in Deutschland und nicht, im vermeintlich interessanteren Amerika oder England. Aber, wenn es um die Vergangenheit geht, dann wähle ich liebe das Ausland.

Aber ganz hoffnungslos ist die Lage noch nicht. Bei meinem Streifzug durch die Buchhandlungen habe ich folgendes Buch entdeckt: Als Deutschland noch nicht Deutschland war: Eine Reise in die Goethezeit. Ein Anfang? Ich hoffe es :-)