Mittwoch, 2. September 2015

Warum gibt es das bei uns nicht?

Wer meine Bücher kennt, der wird sich vielleicht ein wenig wundern, warum die meisten Zeitreisen Laura und Phil nach England führen. Mag ich Deutschland etwa nicht? Ist es nicht interessant genug? Nein, es ist viel einfacher: Das Recherchematerial für die englischen Zeiten ist um einiges umfangreicher, als das, was es auf dem deutschen Markt gibt.

Schauen wir uns einmal bei den Büchern zu "Einsatzort Vergangenheit" um: Da habe ich das, schon oft erwähnte, The Time Traveller's Guide to Elizabethan England genutzt, um mich in die Zeit Shakespeares und Co. einzulesen. Aber das war beileibe nicht das einzige Buch, das ich genutzt habe. Zu erwähnen sind noch Elizabeth's London: Everyday Life in Elizabethan London oder aber Pleasures and Pastimes in Tudor England und und und ... Die Liste der Bücher, die ich konsultiert habe, ist lang und umfangreich. Aber nicht nur das, es gibt im Internet Dutzende Seiten und Blogs, die sich mit dem Thema Leben und Alltag im Elizabethanischen England und somit auch dem England Shakespeares beschäftigen. Die Quellen sind zahlreich und fast alle Fragen, die sich einem während des Schreibens gestellt haben, wurden dort beantwortet.

Bei "Endstation Vergangenheit?" hatte ich das Glück, dass der größte Teil der Geschichte in meiner Heimatstadt spielt und es mir damit recht leicht fiel, die Materialien zu besorgen, die ich brauchte, wenn es um die Stadt ging. Aber! Genau, ein aber gibt es: Es war nicht einfach Bücher über das Leben in der Zeit zwischen Revolution und Reichsgründung zu finden. Die Suche danach gestaltete sich recht schwer und es gab Tage, an denen ich verzweifelte. Was war ich froh, als ich das Buch  Dienstbare Geister gefunden hatte, das sich mit Dienstboten in Deutschland beschäftigte. Bisher hatte ich mich nämlich mal wieder auf englische Bücher berufen müssen, die es dank "Downton Abbey" zuhauf gibt.
Mit dem anderen Setting in Versailles hatte ich mehr Glück, da gab es einiges an Materialien, die das Leben und die Umstände bei Hofe beschrieben. So zum Beispiel: Die Giftaffäre: Mord, Menschenopfer und Schwarze Messen am Hof Ludwigs XIV oder Hinter den Fassaden von Versailles: Mätressen, Flöhe und Intrigen am Hof des Sonnenkönigs.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einfach viel schwerer ist, Materialien über das Alltagsleben der verschiedensten Epochen in Deutschland zu finden. Zuerst dachte, ich, dass ich mir das vielleicht einbilde und einen Tunnelblick habe, aber ein Besuch in einigen Buchladen zeigte mir, dass ich mit meiner Vermutung recht behalten sollte. Geschichtsbücher in Deutschland beschäftigen sich hauptsächlich mit der jüngeren Geschichte, dem dunkelsten Kapitel unseres Landes. Wer etwas über diese Zeit wissen will, wird schnell fündig. Aber darüber hinaus? Vielleicht noch etwas über die Geschichte, die Politik des Kaiserreichs, aber was ist mit dem Alltagsleben? Da wird man wirklich kaum fündig. Es gibt einige Bücher zum Thema "Alltag im Mittelalter", aber ist das alles, was wir zu bieten haben? Warum gibt es keine Bücher, die sich mit dem Leben zu Zeiten der Reformation beschäftigen? Oder in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges? Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, ich will Bücher zum Alltag, zum Leben der Menschen. Was sie gegessen haben, wie sie sich amüsierten, wie das Familienleben war und so weiter. Nichts über die politischen Umstände, darüber kann ich schnell Informationen finden, das ist keine Herausforderung. Aber der Alltag? Fehlanzeige. Es gibt auch erstaunlich wenige Blogs, die sich mit Deutscher Geschichte befassen und mir Hinweise geben könnten, wo ich sonst noch suchen könnte.
Was ich für Deutschland so verzweifelt suche, gibt es für den englischsprachigen Raum mehr als genug. Die Beispiele, die ich oben genannte habe, belegen das deutlich. Nicht nur das, englische Geschichtsbücher lesen sich um einiges interessanter als deutsche. Sie wissen, trotz des Fachthemas zu unterhalten. Es gibt nur wenige deutsche Autoren, die das können. Besonders erwähnen möchte ich hier: Ritter, Mönch und Bauersleut: Eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters. Eines der wenigen Bücher, die sich eines trockenen Themas derart locker annehmen.

In einem anderen Post habe ich angedeutet, dass ich gerne einen sechsten Band schreiben möchte. Ich habe eine Idee im Kopf, die nicht direkt an einen Ort, nur ein wenig an die Zeit gebunden ist. Wenn es aber darum geht, woher ich das Material für die Recherche bekomme, denke ich, dass es wieder auf ein Setting in einem englischsprachigen Raum hinausläuft. Allerdings schweben mir dieses Mal die USA vor, aber da ich bisher nur eine Grundidee habe, bin ich noch nicht wirklich festgelegt. Vielleicht überlege ich es mir noch einmal anders und wähle einen Einsatzort in Deutschland ...

Es hat also nichts damit zu tun, dass ich meine Heimat ablehne, ganz im Gegenteil: Ich habe mich bewusst dafür entschieden, den Teil, der in der Gegenwart spielt, in Deutschland spielen zu lassen. Auch mein Projekt "Liebe - Klappe, die Zweite" spielt in Deutschland und nicht, im vermeintlich interessanteren Amerika oder England. Aber, wenn es um die Vergangenheit geht, dann wähle ich liebe das Ausland.

Aber ganz hoffnungslos ist die Lage noch nicht. Bei meinem Streifzug durch die Buchhandlungen habe ich folgendes Buch entdeckt: Als Deutschland noch nicht Deutschland war: Eine Reise in die Goethezeit. Ein Anfang? Ich hoffe es :-)