Sonntag, 18. Oktober 2015

Das Chaos hat einen Namen: Buchmesse Frankfurt

Jedes Jahr im Oktober verwandeln sich die eher etwas tristen Messehallen in Frankfurt in einen Ort der Magie und der Verheißung. Es ist Büchermesse! Was kann es also für einen Bücherjunkie wie mich, der nebenbei selbst noch schreibt, Schöneres geben als die Frankfurter Buchmesse? Mhm, ich muss nicht lang überlegen und mir fallen eine ganze Menge anderer Orte ein ...

Die Messe ist sicherlich ein toller Platz, um Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen oder einfach nur einen gemütlichen Plausch zu halten (Okay, gemütlich sollte ich besser streichen, denn bis auf einen kleinen, fast geheimen Ort gibt es fast nichts, was auf dieser Messe gemütlich ist). Das Problem an der Sache ist nur, wenn man sich nicht zufällig über den Weg läuft, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit jemanden gezielt zu treffen. Ich rede jetzt nicht von den Meet & Greets und so weiter, die lasse ich mal außen vor. Nein, ich meine, einfach nur mal einen Kaffee mit jemandem zu trinken kann schon zur logistischen Meisterleistung werden. Oh, es gibt genug Orte, an denen man sich Getränke kaufen kann. Nach vier Messetagen kenne ich nun jedes Café und Restaurant in Halle 3 und den dazugehörigen Ebenen. Ist es denn zu viel verlangt, auf die Hallenpläne, die sich fast überall wiederfinden, auch die Namen der Cafés zu verzeichnen? Es gibt nichts frustrierenderes als herauszufinden, dass man sich gerade in Café Lemon befindet, die Person, mit der man aber verabredet ist, in Café Vanille auf der anderen Seite sitzt! Ach, und es wäre toll, wenn man auch die Himmelsrichtungen, die sich oft auf den Ortsbeschreibungen in den Katalogen etc. finden lassen, auch irgendwo sonst finden könnte ...  Die zusätzlichen Hallendurchquerungen wirken sich natürlich positiv auf mein Schrittkonto aus und so kann ich wenigstens stolz verkünden, dass ich keinen Tag unter 12 Kilometern gelaufen bin. Wenigstens etwas und meine Waage bedankt sich ;-)

Während die Fachbesuchertage noch überschaubar sind und man tatsächlich einmal die Gelegenheit bekommt, durch die Hallen zu schlendern und sich ein paar Bücher anzusehen, sich neuen Lesestoff auszusuchen, sind die Publikumstage das krasse Gegenteil. Man schiebt sich mit vielen anderen Menschen durch die engen Gänge und man muss schon fast gewalttätig werden, wenn man aus der Masse ausbrechen will, weil der Stand, den man besuchen möchte, am Rand liegt. Es ist heiß, man bekommt kaum Luft und Gespräche sind fast unmöglich. Sich mit jemanden an diesen Tagen zu verabreden wird zur Glückssache und wenn, trifft man sich eher zufällig. Ich kann jetzt hier nur über die Hallen 3.0 und 3.1 schreiben, die Hallen, in denen ich mich hauptsächlich aufgehalten habe, da hier die meisten Veranstaltungen stattfanden, wie es anderswo aussah, kann ich leider nicht beurteilen. Wenn man aber bedenkt, dass diese Hallen diejenigen sind, in denen Belletristik und Kinderbücher ausgestellt werden, kann man sich schon vorstellen, dass das die am stärksten frequentierten sind. Leider reisen die etwas weiter weg wohnenden Autoren erst kurz vor den Publikumstagen an, sodass man sich auch nur zu diesen Tagen mit ihnen treffen kann. Ein kleiner Teufelskreis.

Die meisten Menschen mit denen ich mich in diesen Tagen unterhalten haben, sind der Auffassung, dass es in Leipzig wesentlich angenehmer zugeht und obwohl ich bisher nur einmal dort war, kann ich dem zustimmen. Es herrscht dort eine andere Stimmung, es wirkt nicht so gehetzt und voll dort. Die Messe ist an allen Tagen für das Publikum geöffnet und ich habe den Eindruck, dass es hier mehr um die Leser als um Fachbesucher geht.

Werde ich deswegen trotzdem nicht mehr nach Frankfurt fahren? Einfach weil es mir zu voll und chaotisch ist? Ich denke nicht, dafür liegt die Messe fast vor meiner Haustür und es wäre eine Schande, wenn ich die Gelegenheit nicht nutzen würde. Denn eines ist klar, die Buchmesse mag chaotisch, voll und hektisch sein, sie gibt einem aber auch die Gelegenheit neue und total liebenswerte Menschen kennenzulernen. Und das ist etwas, auf das ich absolut nicht verzichten möchte! All ihr lieben Menschen, deren Bekanntschaft ich in den letzten Tagen machen durfte, ihr seid es, weswegen ich auf die Messe komme! Es waren tolle Tage mit euch! Vielleicht sieht man sich in Leipzig wieder :-)