Mission Glasschuh (Einsatzort Vergangenheit Band 5)

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Die gute Fee hat Konkurrenz bekommen! 


Über das Buch:


Laura und Phil sind seit einigen Monaten verheiratet. Glücklich? Wohl eher nicht, denn irgendwie hat sich der Alltag in ihre Beziehung eingeschlichen und kaum etwas ist, wie es sein sollte. Ein Missverständnis sorgt für einen heftigen Streit zwischen den beiden, der darin gipfelt, dass Phil kurzerhand die Flucht ergreift und sich auf eine Auslandsgeschäftsreise begibt. 

Die Gelegenheit, einen unerwarteten Auftrag in der Vergangenheit anzunehmen, kommt Laura mehr als entgegen, hofft sie doch, dort Abstand zu gewinnen. Allerdings übertrifft das, was sie im 19. Jahrhundert erwartet, ihre kühnsten Träume und sie findet sich in einer Welt wieder, in der das Märchen von Aschenputtel zur Realität wird. Als schließlich auch noch Phil auf der Bildfläche erscheint und er ihr noch immer grollt, ist das Chaos nahezu perfekt. Nun gilt es für Laura, alles zu wagen, damit es zum bekannten Happy End kommt und das bevorstehende Weihnachtsfest für alle märchenhaft wird. 



Leseprobe:


»Last Christmas I gave you my heart ...«, dröhnte der ewige Weihnachtsklassiker blechern aus den Lautsprechern des überhitzten Kaufhauses. Genervt verdrehte ich die Augen, ich konnte es einfach nicht mehr hören. Gefühlt seit Ende September wurde man mit diesem Lied malträtiert und es gab kein Entrinnen. Hinzu kamen die Weihnachtsmänner aus Schokolade und den anderen weihnachtlichen Süßigkeiten, die mit dem Ende der Sommerferien in die Regale der Supermärkte eingezogen waren. Wie man auf die Idee kommen konnte, bei sommerlichen Temperaturen Verlangen nach Lebkuchen und Co. zu bekommen, würde mir vermutlich nie einleuchten. Genauso wenig wie die Tatsache, dass man dann schon Adventskalender kaufen konnte. Noch nie in meinem Leben hatte ich im Oktober den Wunsch verspürt, mir einen Adventskalender zuzulegen, aus Angst, dass es bis zum ersten Dezember keinen mehr geben könnte. Es würde garantiert auch nicht in diesem Jahr passieren. Egal, wohin man schaute, Weihnachten war allgegenwärtig und man konnte dem Fest der Liebe nicht entkommen. Ob es die mit blinkenden Weihnachtsmützen bekleideten Gruppen waren, die den Weihnachtsmarkt überfielen, die grellen Dekorationen, die ganze Häuserfronten überzogen und die Straßen taghell erleuchteten, oder die Straßenmusikanten, die an jeder Ecke mehr oder weniger erfolgreich versuchten, Weihnachtslieder zum Besten zu geben und so ein paar Euro einzunehmen. Weihnachten war überall und nie zuvor hatte ich die Schnauze so gestrichen voll wie in diesem Jahr.
Ich war sogar kurz versucht, meinen Einkaufsbummel abzubrechen und heimzufahren, doch dann ging ich gedanklich meinen Terminkalender durch und entschied, dass dieser Tag einer der letzten Gelegenheiten war, meine Einkäufe zu erledigen. Mein Kalender war vollgestopft mit allen möglichen Verabredungen, letzten Elterngesprächen und ein paar weihnachtlichen Pflichtveranstaltungen. Wenn ich an diesem Abend nicht einkaufen ging, würden an Heiligabend mir wichtige Menschen mit langen Gesichtern dastehen. Basteln fiel aus, dafür hatte ich in diesem Jahr noch weniger Zeit. Notgedrungen stürzte ich mich in das Getümmel der vorweihnachtlichen Innenstadt. Ich kämpfte mich durch Menschenmassen, stand geduldig in langen Kassenschlangen, ignorierte rüde Vordrängler und lauschte in jedem zweiten Geschäft der sanften Stimme von George Michael, der vom letzten Weihnachtsfest sang.

Einige Stunden später und mit Dutzenden Tüten beladen, kehrte ich nach Hause zurück. Wie erwartet lag die Wohnung komplett im Dunkeln und nichts wies darauf hin, dass Phil bereits heimgekehrt war. So viel zum Thema, dass er heute Abend einmal früher heimkommen würde. Achtlos ließ ich die Geschenke im Flur stehen und schlurfte frustriert in die Küche. Unterwegs hatte ich überlegt, ob ich mir auf dem Weihnachtsmarkt eine herrlich vor Fett triefende Bratwurst gönnen sollte, doch die lange Schlange und der einsetzende Schneeregen hatten mich davon abgehalten. Mit der Überzeugung, dass sich bestimmt etwas Leckeres im heimischen Kühlschrank finden würde, hatte ich mich schweren Herzens von dieser Idee verabschiedet. Nun stand ich zwischen den geöffneten Türen des mannshohen Ungetüms und starrte frustriert hinein. Ich erwartete fast, eine Maus darin zu finden, die mich mit großen braunen Knopfaugen vorwurfsvoll ansah. Bis auf ein paar runzelige Karotten, einer Tüte Milch, einem Glas Erdbeermarmelade und einer Flasche Ketchup konnte ich nichts entdecken, was man essen könnte. Mit einem lauten Knall schloss ich die Tür wieder. Mein Blick fiel auf die große Schneemannkeksdose und ich seufzte laut. Was soll’s, dachte ich. Die Kekse waren nur mit den besten Zutaten gebacken und konnten durchaus ein vollwertiges Abendessen ersetzen. Ich schnappte mir die Dose und ging zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich zusammen mit den Keksen und einem Glas Rotwein auf der Couch niederließ. Mein Blick fiel auf die Spieluhr, die Phil mir auf unserer Hochzeitsreise gekauft und seitdem einen festen Platz im Wohnzimmer hatte. Wehmütig blickte ich sie an und ich fragte mich, ob es wirklich erst acht Monate her war, dass wir auf dieser romantischen Zeitreise ins Paris des Jahres 1900 gewesen waren. Es fühlte sich so viel länger her an.


Ich schaute auf die Uhr: halb neun. Eigentlich hätte Phil längst daheim sein sollen. War mal wieder etwas Unvorhergesehenes passiert und er hatte darüber die Zeit vergessen? Ich nahm mein Telefon zur Hand und starrte einen Augenblick aufs Display, bevor ich es entschlossen zur Seite legte. Ich wollte ihn nicht kontrollieren und nicht hinterhertelefonieren. Wenn er später nach Hause kam, gab es dafür bestimmt einen triftigen Grund und den würde er mir erläutern. Stattdessen schnappte ich mir die Fernbedienung und schaltete durch einige Kanäle, bis ich bei einem romantischen Liebesfilm hängen blieb und es mir auf der Couch gemütlich machte.

Eine sanfte Bewegung auf meinen Lippen ließ mich erschrocken aus dem Schlaf hochfahren. Ich blinzelte einige Male und sah im Dämmerlicht des Fernsehers Phil, der vor mir kniete und mich mit einem zärtlichen Blick betrachtete. Sanft strich er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
»Hey, warum bist du so spät?«, flüsterte ich verschlafen und reckte mich ihm entgegen, um ihn zur Begrüßung zu küssen. Seine Lippen streiften meine nur kurz.
»Du weißt doch, das Übliche. Man redet und redet, dabei merkt man nicht, wie die Zeit vergeht. Warum bist du nicht ins Bett gegangen?«, wollte er von mir wissen. Ich richtete mich auf und streckte mich ausgiebig.
»Ich dachte nicht, dass du so spät kommst.« Bestürzt warf ich einen Blick auf die Uhr, Mitternacht war längst durch.

»Du musst müde sein, komm lass uns zu Bett gehen«, sagte ich. Er nickte und ging voraus ins Bad. Er duschte schnell, putzte sich dabei gleichzeitig die Zähne und ging ins Schlafzimmer. Ich brauchte einen Moment länger als er, und als ich ins Zimmer kam, war er schon eingeschlafen. Als Nachtlektüre hatte er sich einen Geschäftsbericht der Lerfra vorgenommen. Weiter als eine Seite war er jedoch nicht gekommen, wie ich feststellte, als ich ihm sachte den Ordner entnahm und das Licht löschte. Ich hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, doch er schlief bereits tief und fest und bekam nichts davon mit, dass ich in einem neuen, sehr durchsichtigen Nachthemd an seiner Seite lag.