Sonntag, 9. August 2015

"Mission Glasschuh" - Appetithäppchen

Bei den sommerlichen Temperaturen, die Deutschland gerade im Griff haben, gestalten sich die Arbeiten an "Mission Glasschuh" teils schwierig. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Version von Aschenputtel, nein, ich habe das ganze Setting in Gegenwart und auch in der Vergangenheit in die Vorweihnachtszeit verlegt. 
Was das bedeutet? Schnee, Weihnachtsmärkte, Glühwein, Weihnachtslieder und Kälte beherrschen meine Gedanken. Nun könnte man sagen, dass das sicherlich abkühlend wirken kann, aber glaubt mir, es ist nicht einfach, sich bei knapp 40°C vorzustellen, dass die Welt in der ich mich gedanklich bewege, von Schnee und Eis überzogen ist. Hinzu kommt, dass ich beim Schreiben ziemlich oft Musik höre, um mich in eine entsprechende Stimmung zu bringen. Das geht gut, solange ich klassische Musik, der Epoche entsprechend höre oder Liebeslieder, wenn ich eine romantische Szene schreibe, aber Weihnachtslieder im August? Sollte irgendjemand aus meiner Familie dies hier lesen, würde er sagen: "Ja, und? Das hat sie als Kind auch schon gemacht!" und das stimmt, aber da war ich vier oder fünf und wusste es nicht besser. Heute aber weiß ich, dass es für alles eine Zeit gibt und Weihnachtslieder im Sommer gehören eigentlich nicht dazu ... Aber was tut man nicht alles für die Kunst? Also bin ich tapfer, höre mich durch meine weihnachtliche Playlist und schreibe von Mistelzweigen und Schlittschuhlaufen. 

Wer übrigens nach dem Lesen der ersten Zeilen von "Mission Glasschuh" das Gefühl verspürt, sich das Lied anzuhören, das darin erwähnt wird, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann ;-) 

»Last Christmas I gave you my heart ...«, dröhnte mir der ewige Weihnachtsklassiker blechern aus den Lautsprechern des überhitzten Kaufhauses entgegen. Genervt verdrehte ich die Augen. Ich konnte es nicht mehr hören. Gefühlt seit Ende September wurde man mit diesem Lied malträtiert und es gab kein Entrinnen. Hinzu kamen die Weihnachtsmänner aus Schokolade und den anderen sogenannten weihnachtlichen Süßigkeiten, die mit dem Ende der Sommerferien in die Regale der Supermärkte eingezogen waren. Noch nie in meinem Leben hatte ich im Oktober den Wunsch verspürt mir einen Adventskalender zuzulegen, aus Angst, dass es bis zum ersten Dezember keinen mehr geben könnte. Es würde garantiert auch nicht in diesem Jahr passieren. Egal wohin man schaute, Weihnachten war allgegenwärtig und man konnte dem Fest der Liebe nicht entkommen. Ob es die mit blinkenden Weihnachtsmützen bekleideten Gruppen waren, die den Weihnachtsmarkt überfielen, die grellen Dekorationen, die ganze Häuserfronten überzogen und die Straßen taghell erleuchteten oder die Straßenmusikanten, die an jeder Ecke mehr oder weniger erfolgreich versuchten Weihnachtslieder zum Besten zu geben. Weihnachten war überall und nie zuvor hatte ich die Schnauze so gestrichen voll, wie in diesem Jahr. 
Dabei hatte ich eigentlich keinerlei Grund eine derartige Abneigung gegen Weihnachten zu verspüren. Nein, wirklich nicht und trotzdem merkte ich, wie sich mein Unmut gegen den Kommerz, den Lärm und die bunten Lichter vergrößerte und ich nur den Wunsch verspürte, nach Hause zurückzukehren. Wobei mich der Gedanke an die vermutlich leere und dunkle Wohnung keineswegs glücklich stimmte. Ich überlegte, ob ich meinen für den Abend angesetzten Einkaufsbummel abbrechen und heimfahren sollte, oder ob ich in den sauren Apfel biss, und endlich alle Geschenke für meine Lieben besorgte. In Gedanken ging ich meinen Terminkalender durch und entschied, dass dieser Tag einer der letzten Gelegenheiten war, meine Einkäufe zu erledigen. Mein Kalender  war voll gestopft mit allen möglichen Verabredungen, Elternabenden und anderen weihnachtlichen Pflichtveranstaltungen. Wenn ich an diesem Abend nicht einkaufen ging, würden an Heiligabend mir wichtige Menschen mit langen Gesichtern dastehen, da ich keine Geschenke für sie hatte. Basteln fiel aus, dafür hatte ich noch weniger Zeit. Notgedrungen stürzte ich mich in das Getümmel der vorweihnachtlichen Innenstadt. Ich kämpfte mich durch Menschenmassen, stand geduldig in langen Kassenschlangen, ignorierte rüde Vordrängler und lauschte in jedem zweiten Geschäft der sanften Stimme von George Michael, der vom letzten Weihnachtsfest sang.

Einige Stunden später und mit Dutzenden Tüten beladen kehrte ich nach Hause zurück. Wie erwartet lag die Wohnung komplett im Dunkeln und nichts wies auf Phils Anwesenheit hin. Soviel zum Thema, dass Phil heute Abend einmal früher heimkommen würde. Achtlos ließ ich die Geschenke im Flur stehen und schlurfte frustriert in die Küche. Dort öffnete ich den mannshohen Kühlschrank und starrte unschlüssig hinein. Nichts darin lachte mich an und mit einem lauten Knall schloss ich die Tür wieder. Mein Blick fiel auf die große Schneemannkeksdose und ich seufzte laut. Was soll’s, dachte ich. Die Kekse waren nur mit den besten Zutaten gebacken und konnten durchaus ein vollwertiges Abendessen ersetzen. Ich schnappte mir die Dose und ging zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich zusammen mit den Keksen und einem Glas Rotwein auf der Couch niederließ. Gedankenverloren knabberte ich an einem Vanillekipferl und fragte mich, warum um alles in der Welt, ich mich so verloren fühlte.