Freitag, 9. März 2018

Was schreibe ich denn nun? Regency Roman oder Historischer Liebesroman?

Wer glaubt, dass es sich bei den beiden oben genannten Genres um zwei Bezeichnungen für eine Sache handelt, der irrt. Es gibt kleine, aber feine Unterschiede. So wirklich klar ist mir das nie geworden, erst als ich mit meinem ersten historischen Liebesroman "Eine tugendhafte Lady" angefangen habe, wurde mir der Unterschied bewusst.

Was haben die beide gemeinsam?


  • sie sind in der Vergangenheit angesiedelt, aber das kann sie ebenso unterscheiden
  • im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte eines Paares (ja, wirklich, es ist kein Sachbuch ;-))
  • Held und Heldin müssen diverse Widrigkeiten unterschiedlicher Natur beseitigen, bevor sie sich am Ende in den Armen liegen dürfen oder gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. (Ich denke hier nur an das Ende von Drei Nüsse für Aschenbrödel, zwar kein Sonnenuntergang, aber das kommt dem ganzen schon sehr nahe)


Was trennt die beiden?


  • Sprache, Sitten und Rahmen in Regency Romanen lehnen sich eher an die Zeit an und versuchen den Ton jener Epoche zu treffen, bei einem historischen Liebesroman kann die Sprache auch etwas moderner sein. Wobei ich versuche, nicht allzu modern zu werden und vor allem keine Dinge erwähnen, die es zu dieser Zeit noch nicht gab - wie „Sicherungen durchbrennen“ oder ähnliches. Auch bemühe ich mich, der Zeit anzupassen und darauf zu achten, dass der historische Hintergrund korrekt wiedergegeben wird.
  • Ein Regency Roman spielt wie der Name schon sagt, in der Regentschaftszeit Englands, die  von 1811 bis 1820 dauerte, weiter gefasst von 1794 bis 1837.
  • Ein historischer Liebesroman kann zu jedem Zeitpunkt in der Vergangenheit und auch Ort spielen - in USA sind Romane, die im Wilden Westen spielen besonders beliebt. Meine „Tugendhafte Lady“ ist somit schon einmal kein Regency Roman, da er vor Beginn der Regency Epoche spielt, fällt aber doch in die weiter gefasste Regentschaftszeit.
  • In einem richtigen Regency Roman kommt Sex nicht vor. Meines Erachtens hängt das damit zusammen, dass Georgette Heyer, die als Begründerin des Regency Romans gilt, in einer Zeit geschrieben hat, in der nicht erwähnt wurde, was sich im Schlafzimmer abspielte. Es gibt höchstens einen keuschen Kuss, aber mehr nicht. Ähnlich wie bei Jane Austen, die in unserer heutigen Zeit als Autorin von Regency Romanen gilt, aber eigentlich kontemporäre Liebesromane geschrieben hat. Stolz und Vorurteil ist in einer Zeit entstanden, in der man sich Gedanken um die Gesundheit des Königs machte, aber nicht daran dachte, dass sein Sohn eines Tages die Regentschaft für ihn übernehmen könnte.
  • In einem historischen Liebesroman hingegen kann es mehr oder weniger explizit werden. Mir sind sogar einige untergekommen, in denen es hauptsächlich nur um das Eine ging. Ich mag historische Liebesromane, wirklich, aber wenn es nur noch darum geht, dass Held und Heldin miteinander schlafen, dann verdrehe ich die Augen und überblättere die meisten Seiten. Ich will eine spannende Geschichte lesen und nicht erfahren, auf wie viele Arten der Held die Heldin zum Höhepunkt bringen kann. Auch in „Eine vortreffliche Lady“ (Sommer 2018) wird es Liebesszenen geben, aber sie nehmen nicht den Großteil des Romans ein, versprochen. 
Das ist nur eine grobe Zusammenfassung dessen, was die beiden Genre, die so gerne miteinander vermischt werden, trennt und gemein haben. 

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, historische Liebesromane zu schreiben, da ich die wundervollen Romane von Julia Quinn, Amanda Quick, Jude Deveraux und wie sie alle heißen gelesen habe und sie mich inspiriert haben. Wohingegen ich zugeben muss, dass ich mit Georgette Heyer noch nicht ganz warm geworden bin. Ich versuche mich immer wieder an einem ihrer Romane, die wirklich hervorragend recherchiert sind, aber mich noch nicht richtig in ihren Bann gezogen haben. Wer eine Empfehlung für mich hat, welchen ihrer Romane ich unbedingt lesen muss, nur her damit :-)

Fällt euch noch ein Unterschied zwischen den Genre ein?