Montag, 3. September 2012

Warum ich meinen Kindle hassen müsste

Ich gebe es zu: Ich bin süchtig! Büchersüchtig! Und was noch viel schlimmer ist, es ist nicht nur das Lesen der Bücher, sondern auch das Sammeln der Bücher.

Meinen ersten E-Reader habe ich mir nur gekauft, weil in unserem Arbeitszimmer kein Platz mehr war. Die Regale waren bis oben hin vollgestopft und nur mit Mühe und Not konnte ich noch weitere Bücher unterbringen. Die Überlegung damals war: Kaufen wir ein neues Regal und stellen das Arbeitszimmer komplett um, auch auf die Gefahr hin, dass wir innerhalb kürzester Zeit wieder vor dem gleichen Problem stehen? Oder kaufe ich mir einen E-Reader, der Platz für 4000 Bücher bietet. Lange habe ich damals überlegt, denn eigentlich war ich lange eine Verfechterin des gedruckten Buchs. Ich wollte das Gefühl des Buchs, das Umblättern und kein Stück Plastik/Metall in meiner Hand halten. Aber dann kam mein Geburtstag, ich hatte Geld geschenkt bekommen und Thalia verkaufte damals die Schulungsmodelle des Sony Readers. Nach kurzem Zögern habe ich mir dann doch einen gekauft. Aber erst, nachdem ich sichergestellt hatte, dass es genügend Bücher für mich gab, die ich kaufen konnte. Das Ganze ist schon einige Zeit her und zu dem Zeitpunkt steckte das E-Book in Deutschland noch in den Kinderschuhen, vom Kindlestore war noch lange keine Rede. Viel Auswahl hatte man leider nicht. Mir kam es aber zugute, dass ich sehr viel auf Englisch lese und somit auf vielen verschiedenen Seiten legal an meinen Stoff kam.

Mein Sony und ich waren glücklich; Er gut gefüllt mit vielen Büchern und mir ging der Lesestoff nie aus. Dann lief ich während eines USA Urlaubs dem Kindle Keyboard über den Weg. Wir haben uns kurz beschnuppert, fanden uns sympathisch und ehe ich mich versah, trug ich den Kindle in Richtung Kasse. Der Kindlestore in Deutschland war gerade eröffnet worden und das trug wesentlich zum meiner Entscheidung bei. Einer der Gründe für den Wechsel war es, dass ich es leid war, immer und überall zu googeln, welcher Anbieter das Buch,das ich kaufen wollte auch nach Deutschland verkaufte, das war nicht immer so leicht. Manchmal musste ich bei fünf bis sechs verschiedenen Anbietern suchen, bis ich als Deutsche das Buch kaufen durfte. Bei Amazon war es ganz einfach, alles verfügbar, jeder deutsche, jeder englische Titel, ich musste nur noch klick machen und auf wundersame, drahtlose Art und Weise wurden die Bücher auf meinen neuen Freund übertragen. Vorbei waren die Zeiten, in denen ich meinen Reader per USB an den PC schließen musste.

Und mein Untergang begann...

Kindle-Deal des Tages? Oh, klingt interessant, kauf ich, sind ja nur 99 Cent. Ach, die Geschenkaktion an Weihnachten? Super, da sind sogar Bücher dabei, die ich wirklich haben wollte. In meinem virtuellen Bücherregal stapeln sich die Lesesproben, sowohl die gelesenen, als auch die ungelesenen. Die gelesenen sind in den Ordner mit den "Muss-ich-haben-Büchern" gewandert. Klassiker, die ich schon immer mal lesen wollte, befinden sich natürlich auch in Hülle und Fülle auf meinem treuen Begleiter.

Ich glaube derzeit befinden sich mehr ungelesene Bücher auf dem Kindle als gelesene.


Ich hatte mir schon in Papierzeiten mal ein Bücherkaufverbot auferlegt, mein Stapel ungelesener Bücher drohte immer größer zu werden. Beim Kindle werde ich das wohl nicht durchhalten, zu groß ist die Versuchung, hier mal ein kostenloses Buch, dort mal einen Deal des Tages mitzunehmen. Und das neue Buch von XY, ja das muss auch noch her. Egal, ob es deutsche Buchpreisbindung gibt, oder nicht. Dann habe ich es schon mal auf meinem Kindle.

Und darum sollte ich meinen Kindle hassen, denn mit jedem gelesenen Buch stehe ich vor der Frage: Und welches nehme ich jetzt? Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Falls es jemanden interessiert, meine Wahl ist auf "Pride and Prejudice" gefallen, dass ich trotz meiner Liebe zu der Colin Firth Verfilmung bis heute noch nicht gelesen habe. Ein Zustand, der dringend behoben werden musste.