Sonntag, 14. Juli 2013

Sommerferien Teil 1

Wir haben Sommerferien! Im Grunde genommen interessieren mich die Ferien nicht, da ich keine Kinder habe und somit herzlich wenig damit zu tun habe. Das einzige, was ich davon habe, ist die Tatsache, dass die Autobahn ein bisschen weniger voll ist als sonst. 

Doch man kommt nicht um die Ferien herum, im Radio, in der Zeitung und so weiter reden sie alle davon. Ich freue mich übrigens für diejenigen, die jetzt frei haben und dieses super tolle Wetter genießen können. Ich erinnere mich an Ferien, die total verregnet waren und somit überhaupt keinen Spaß machten. 

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, irgendwie musste ich im Zuge des ganzen Geredes davon denken, wie meine Sommerferien in der Kindheit verlaufen sind. Ich bin im Weltmeisterjahr 74 geboren und die größte Befürchtung, die mein Vater hatte, war die, dass ich während des Finales zur Welt komme. Da meine Mutter bei solchen Sportereignissen mit Leib und Seele dabei ist, war das noch nicht mal so abwegig, auch wenn ich damit zwei Monate zu früh auf die Welt gekommen bin. Doch braves Kind, das ich nun einmal war, (hüstel) habe ich still gehalten und bin zum verabredeten Zeitpunkt auf die Welt gekommen. Somit kann ich leider nicht über meine ersten Sommerferien berichten, die sicherlich spannend waren, aber ich nun mal bis September ausgehalten. 

In meiner Kindheit und Jugend gab es eigentlich nur ein Jahr, an das ich mich erinnern kann, in dem wir nicht in die Sommerferien gefahren sind. Ansonsten wurde Jahr für Jahr das Auto gepackt und wir sind gen Süden gefahren. Meine Eltern hatten eine Vorliebe für Spanien und die zwei Jahre, die wir in die Dolomiten gefahren sind, sehe ich mal als Ausrutscher an. 

Sind wir früher immer in verschiedene Orte gefahren, so änderte sich das ab Sommer 82. Wir fuhren das erste Mal in ein kleines Örtchen in Spanien. An die Costa del Azahar, was Küste der Orangenblüte bedeutet und relativ genau bezeichnet, was es dort gibt. Nämlich Orangenhaine noch und nöcher. Wir fuhren aber nicht in die berühmten Touristenhochburgen Benicàssim oder Peñíscola. Nein, wir fuhren in den kleinen Ort Almazora. Ich glaube nicht, dass besonders viele Menschen diesen Ort kennen, denn er ist touristisch gesehen relativ uninteressant und nur wenige Deutsche verirrten sich damals in diese Gegend. Bis heute gibt es noch nicht mal einen Artikel in Wikipedia dazu! Wie gesagt, es handelte sich um einen kleinen Ort, in dem hauptsächlich Familien aus Valencia ihren Feriensitz hatten. Unsere Ferienwohnung lag in einer Straße, in der ein in Deutschland lebender Spanier ein paar Wohnungen besaß und diese an Deutsche vermietete. Alles andere war fest in spanischer Hand. Da es meinen Eltern und meiner Schwester und mir dort so gut gefallen hatte, fuhren wir im nächsten Jahr wieder hin, und im übernächsten Jahr auch und im überübernächsten Jahr ... 

Aber was waren das für Urlaube! Dreht mal ein wenig die Zeit zurück und versucht euch daran zu erinnern, wie es war als ihr in eurer Kinderzeit in Urlaub gefahren seid. Heute packen wir meist unsere Koffer, gehen zum Flughafen und fliegen an unseren Urlaubsort. Auch wenn wir in eine Ferienwohnung fahren, nehmen wir meistens nur Kleider mit. Vielleicht ein paar Messer, da die meisten Ferienwohnungen nicht über gescheite Küchenmesser verfügen, aber wir reisen nicht so, wie meine Eltern es damals getan hatten. 

Unser guter, alter Opel Rekord wurde bis unters Dach vollgepackt. Nicht nur mit Kleidern, Badesachen, Handtüchern, Sonnencreme und Büchern. Nein, in alle möglichen Ecken wurden Dosenmilch, deutscher Kaffee und sonstiger Vorrat für die nächsten Wochen  eingepackt. Meine Eltern waren nicht sehr experimentierfreudig und wollten keinen landestypischen Kaffee trinken. Und warum sie unbedingt Dosenmilch mitnehmen mussten, ist mir ein Rätsel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es diese auch in Spanien gab. 
Nach unserem ersten Urlaub dort, stellten meine Eltern übrigens fest, dass der Tisch auf unserer Terrasse eine Katastrophe war und ab diesem Jahr nahmen wir übrigens auch noch unseren Campingtisch und eigenen Sonnenschirm mit! Von Luftmatratzen und Liegen ganz zu schweigen. Wenn dann das Auto vollgepackt war, ging es nachmittags gegen fünf Uhr los. Es war die Zeit, in der Autos noch keine Klimaanlage hatten und meine Eltern wollten nicht mit zwei quengelnden Kindern durch die Hitze fahren. Die erste Pause,  die wir stets kurz hinter der französischen Grenze machten, war schon das erste Highlight unserer Reise. Dann packte meine Mutter ein Picknick aus, das sich sehen lassen konnte. Es gab gebratene Hähnchenschenkel, gekochte Eier, saure Gurken, Tomaten und und und. Sicherlich gab es diese Dinge auch sonst bei uns, aber ich bilde mir ein, dass sie nie besser schmeckten als auf unseren Pausen an den Rastplätzen.  Ich liebte diese Fahrten alleine schon wegen des Abendessens. 

Ich habe viel Ähnlichkeit mit meinem Vater und in manchen Dingen, bin ich genauso wie er. Aber ob ich, wie er einen Plan mit unserer Route gemacht hätte, auf der die einzelnen Fahrzeiten vom Vorjahr und die Péagestationen (mit Angaben in Franc!) verzeichnet sind, wage ich zu bezweifeln. So saß meine Mutter also neben meinem Vater und musste immer die einzelnen Zeiten eintragen und hatte in ihrem Extra-Portemonnaie das abgezählte Geld für die Mautstationen. (Ein bisschen Reserve war drin, es konnte ja durchaus sein, dass die Gebühren erhöht worden waren.) Während wir also schliefen, fuhren meine Eltern durch die Nacht. Zwischendrin machten wir Pausen, in denen mein Vater auch mal ein oder zwei Stunden schlief, um dann erholt weiter zu düsen. Für unseren ersten Halt in Spanien suchten sich meine Eltern immer eine besonders schöne Stelle aus. Meistens konnte man von dort aus  in weiter Ferne das Meer sehen . Die Vorfreude wurde immer größer! Unterwegs spielten wir dann das Spiel, dass vermutlich jedes Kind, das zu dieser Zeit in Spanien Urlaub machte, mit seinen Eltern gespielt hat: Wir zählten die Osborne-Stiere. (Wer nicht weiß, was das ist, kann hier nachschauen: http://de.wikipedia.org/wiki/Osborne-Stier

Wenn dann die ersten Orangenbäume kamen, wussten wir, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Durch ein weit verzweigtes Labyrinth, ohne besonders gut kenntlich gemachte Straßennamen, fuhren wir durch die Haine und immer dann, wenn ich glaubte, dass wir uns doch verfahren hatten, öffnete sich die Straße und gab den Blick auf das in der Morgensonne glitzernde Mittelmeer frei. Diesen sensationellen Blick durfte ich dann für die nächsten Wochen Tag für Tag genießen, denn unsere Wohnung lag im ersten Stock und vor unserem Haus gab es nur den Pool, der zu den Ferienwohnungen gehörte, die Straße, die am Meer entlangführte und das Meer! Vermutlich ist es diese Zeit aus meiner Kindheit, die mich noch heute fast immer Urlaub am Wasser machen lässt. Berge reizen mich nicht besonders, aber Wasser und insbesondere das Meer lassen meine Augen aufleuchten. 

Sobald wir angekommen waren, mussten wir Kinder natürlich sofort in den Pool und von da ab, waren unsere Eltern abgemeldet. Denn in diesem Ort machten eigentlich immer nur Eltern mit Kindern in unserem Alter Urlaub und nach wenigen Stunden waren wir miteinander befreundet.  In einigen Jahren fuhren auch befreundete Familien mit, sodass wir wirklich nie alleine waren und uns langweilten. 

Ans Meer gingen wir in den ersten Jahren selten, denn der Strand war kein Sandstrand, sondern ein Kieselstrand und war daher etwas unbequem. Die Luftmatratzen machten es zwar etwas angenehmer, aber so richtig schön war der Strand nicht, zumal er wirklich winzig war. Das änderte sich in den späteren Jahren und wir haben mehr Zeit dort verbracht. So lagen wir also die meiste Zeit am Pool, wie die anderen Familien auch. Dort lernte ich schwimmen, denn das musste man unbedingt, um bei den Wasserballturnieren, die wir veranstalteten, mitmachen zu können. 

Ach, was könnte ich nicht alles aus dieser Zeit erzählen! Abends nach dem Essen spielten wir Kinder auf der fast unbefahrenen Straße Federball oder Verstecken oder saßen einfach nur zusammen. Manchmal traf man die Kinder im nächsten Jahr wieder und freute sich alte Freunde zu treffen, manchmal kamen neue Kinder dazu. Diese Wochen des Jahres waren die schönsten und Jahr für Jahr freute ich mich auf unseren Urlaub dort. Die Wohnung war übrigens wenig luxuriös, zwar hatte sie drei Schlafzimmer, aber das war es dann auch schon mit dem Luxus. Das Bad war winzig, noch kleiner als unseres in Deutschland. Das Wohnzimmer, welches wir nie nutzten, da wir immer draußen waren, hatte keinen Fernseher und die Küche keine Spülmaschine. Das mag merkwürdig klingen, dass ich das erwähne, aber wir hatten zu Hause schon eine Spülmaschine und das war übrigens das einzige, was ich vermisste. 

Als ich dann älter wurde, muss ich gestehen, dass ich die Schnauze voll davon hatte, immer wieder an den gleichen Urlaubsort zu fahren und das meistens für drei Wochen oder länger! In meiner Teenagerzeit hatte ich einfach keine Lust auf meine Freundinnen zu Hause, den Fernseher und Kino zu verzichten. Doch meinen Eltern gefiel es dort und so fuhren wir dorthin, bis ich 18 war. Danach fuhr ich nicht mehr mit meinen Eltern in Urlaub und sie suchten sich neue Reiseziele.

Wenn ich jedoch an die Jahre meiner Kindheit zurück denke, dann sind es diese Wochen im Jahr, die ich am Besten in Erinnerung habe. Wir brauchten keinen Fernseher oder sonstigen Geräte, die uns unterhielten und bespaßten. Wir spielten mit den anderen Kindern oder unseren Eltern, lagen faul rum und lasen Bücher, besichtigten ab und an mal ein paar Orte in der näheren Umgebung und ließen es uns einfach gut gehen. Es gab immer Melonen oder anderes frisches Obst, das es in Deutschland nicht so oft gab. Abends grillten wir im Garten oder gingen  mal zum Essen in eines der wenigen Restaurants am Ort. Es war einfach eine tolle Zeit und wenn ich noch einmal etwas in meinem Leben machen dürfte, würde ich gerne in die Mitte der 80er reisen und dort noch einmal hinfahren. Einfach noch einmal Kind sein und eine unbeschwerte Zeit verbringen, nicht an Morgen denken und es genießen! 

Mit diesem etwas melancholischem Gedanken verabschiede ich mich für heute und berichte beim nächsten Mal von den Sommerferien, in denen wir nicht weg waren.