Mittwoch, 14. März 2018

Warum ich kein Bauchschreiber mehr bin

Einsatzort Vergangenheit, meinen ersten Roman, habe ich mehr oder weniger aus einer Laune herausgeschrieben. Am Anfang flossen die Ideen und wenn ich mal nicht mehr wusste, wie es an einer Stelle weitergehen soll, habe ich andere Szenen geschrieben und das später miteinander verbunden. Es hat mehr oder weniger funktioniert. Dass ich die Geschichte später noch einmal umgeschrieben habe, hatte andere Gründe.

Dann fing ich mit Zwischenstation Gegenwart an und eigentlich lief es nach der gleichen Methode gut, sehr gut sogar. Nur, um festzustellen, dass der Roman viel zu umfangreich ist und ich einen fiesen Cliffhanger eingebaut habe. Endstation Vergangenheit war damit geboren. Aber auch hier bin ich keinem festgelegten Plot gefolgt.
Bei Für immer und immer hatte ich einen ungefähren Plan und habe bei schwierigen Szenen mithilfe einer Mindmap geplottet. Das war gar nicht mal so verkehrt, wenn da nicht sie Sache mit dem völlig verkorksten Anfang gewesen wäre. Ich habe knapp hundert Seiten gelöscht und umgeschrieben, weil der Anfang wirklich grausig gewesen ist.
Eigentlich sollte man meinen, dass man aus Versuch klug wird, anscheinend bin ich ein langsamer Lerner oder schwer von Begriff. Mission Glasschuh folgte wieder nur einem ungefähren Plot, ohne genau ins Detail zu gehen.
Dann habe ich die Schneeflockenmethode von Randy Ingermanson entdeckt und begonnen nach seinem System zu arbeiten. Es ist aufwändig und man muss einiges an Zeit investieren, aber zum ersten Mal hatte ich ein Konzept, das von vorne bis hinten durchgeplant war. Dass ich dann doch zwei Jahre gebraucht habe, um Liebe braucht kein Drehbuch zu schreiben, lag daran, dass mir Eine tugendhafte Lady und Unschuldig unter den Fingernägel gebrannt haben.
Wer jetzt glaubt, dass ich beide Bücher nach der Schneeflockenmethode geplottet habe, irrt. Eine tugendhafte Lady und auch Unschuldig hatten  ausgefeilte Plots, aber da ich ausprobieren wollte, auf verschiedenen Geräten und System gleichzeitig zu arbeiten, habe ich das nicht getan. Und bin wieder an einigen Stellen hängengeblieben, aber es war nicht so wie bei meinen ersten Romanen.

Dann kam Eine vortreffliche Lady und diese wurde wieder mit der Schneeflocke geplottet. Was soll ich sagen?
Nie zuvor habe ich ein Buch so schnell geschrieben wie dieses. Es war alles da. Jede Szene, jeder Handlungsablauf war grob vorgegeben. Es war das erste Buch, bei dem ich nichts umschrieben wurde. Zwar habe ich im Laufe des Schreibens gemerkt, dass ich Victorias Geheimnis ändern musste, aber es war nur eine kleine Änderung, die sich so besser in die Geschichte einfügte. Und bei der ersten Überarbeitung habe ich ein paar kleine Änderungen vorgenommen, aber kein Buch wird in der Rohfassung veröffentlicht und erfährt einige Überarbeitungen. Und auch jetzt ist die Geschichte noch nicht final, da sie noch ins Lektorat geht und es bestimmt noch einiges gibt, dass geändert werden muss, aber das ist der normale Prozess beim Schreiben eines Buches.
Warum ich aber endgültig zu der Überzeugung gekommen bin, dass ich nie wieder Bauchschreiberin sein möchte, ist Eine wagemutige Lady - mein zehnter Roman übrigens.
Ich bin ans Plotten mit einer Idee gegangen, die mir als gute Ausgangssituation für den Roman erschien. Jeder Schritt der Schneeflocke wurde eingehalten und eigentlich fand ich die Idee gut, nur um beim Ausarbeiten des Plots in kleinere Teile festzustellen, dass ich keine Idee hatte, was passieren sollte. Ich habe mir den Kopf zerbrochen, nach einem Weg gesucht, wie ich das doch so hinbekommen könnte, wie ich mir das vorgestellt habe.
Und dann kam eine Idee, und die nächste und die nächste ... Allerdings hatten die Ideen alle eine Sache gemein: Ich musste meine bisherige Plotidee komplett über Bord werfen. Es hätte nicht funktioniert. Nun weiß ich wohin die Geschichte gehen muss und plötzlich geht es wieder ganz leicht mit dem Plotten.

Warum dieses Steckenbleiben gut ist? Es ist während des Plottens und nicht während des Schreibens passiert. Hätte ich einfach drauf losgeschrieben, wie ich mir das grob vorgestellt habe, wäre ich gnadenlos gescheitert und irgendwann an dem Punkt angelangt, an dem ich festgestellt hätte, dass alles, was ich bisher geschrieben habe, Müll ist und hätte ewig umschreiben müssen. Als jemand, der das schon hinter sich hat, weiß ich, wie weh das tut und welch Aufwand dahinter steckt.
So muss ich nur in meinen bisherigen Plotplan gehen und diese Stellen ändern, um alles andere auszuarbeiten. Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen.

Natürlich heißt das nicht, dass alles zu 100 % so bleiben wird, wie es geplant wurde, aber das ist der Prozess des Bücherschreibens :-)